Ab in den Süden…

und zurück

Ja es war noch einer meiner grösseren Pläne die Berge nochmals zu sehen. Denn im Laufe meines Lebens habe ich doch einige Jahre in oder an den Bergen verbracht. Teilweise um zu Arbeiten, aber auch wegen Urlaub oder anderen privaten Ausflügen. Und sicherlich war die Zeit in St. Moritz in der Schweiz eine der aufregenden, alleine schon durch die Grundhöhe von 1800Meter. Dazu im Winter ungeheuere Mengen an Schnee mit fast 6 Metern und die dazu passenden Minustemperaturen, meist unter 20°C auch tagsüber. Aber auch das Drumherum mit den vielen durchaus mondänen Touristen und Attraktionen auf dem zugefrorenen See.

Aber auch in Engelberg, ebenfalls in der Schweiz, mit dem sehr bekannten Titlisgletscher hat mir es sehr gefallen, da ich dort meine ersten alpinen Wanderungen geschafft habe.

In Österreich, im Schlosshotel Fuschl war es die gesamte Umgebung mit den Seen und der malerischen Stadt Salzburg, die mich immer fasziniert haben. Überrascht war ich immer wieder über die teils sehr schnellen Wetteränderungen die besonders im Winter für einige Überraschungen sorgte. So geriet ich mal auf dem Heimweg vom Hotel in einen Schneesturm. Ich kannte die Strecke von etwa 2km sehr gut, da ich sie beinahe täglich lief. Doch dieser Schneesturm tauchte wie aus dem Nichts auf und es war gerade vor dem Dunkelwerden. Erst fand ichs ganz lustig. Dich es endete mit einer wahren Panikattacke, da ich nichts zuordnen konnte.

Alles war weiss, atmen ging fast nicht mehr, da der Schnee von allen Seiten kam. Gerettet hat mich ein Leitpfosten und der Radweg.

Also ich versuchte mich immerhin recht erfolgreich am Boden und Pfosten zu halten. Nach guten 20 Minuten war alles vorbei, doch dauerte es länger bis ich wieder mehr als 50 Meter sehen konnte. Und im Nachhinein war ich ganz stolz, dies heil überstanden zu haben. Sicherlich war es verhältnismässig recht harmlos, denn auch in den Nachrichten fand es kaum Erwähnung.

Und die ersten Erfahrungen mit den Bergen machte ich in früher Kindheit, nun gut ich war schon 12, mein Bruder 8.

1978 wurden wir in die obligatorische Kinderkur geschickt. Für mich war es die zweite, die erste führte mich 4 Jahre zuvor in den Schwarzwald nach Donaueschingen. Die jetzige brachte uns nach Mittenwald. Und das mitten im Winter, es war im November aber in den Bergen war es stets früher kalt. Die Berge kannte ich nur aus den Heidifilmen und viele haben uns beneidet für diese Tour. Doch es war unheimlich, da wir auf einer langen Strecke alleine im Zug fahren mussten, war zudem eine sehr weite Strecke. Erst vor München stiegen wieder einige Begleiter dazu. In der Zwischenzeit haben sich mehrere Kinder aus den anderen Bundesländern zusammengerottet und von München aus, waren es echt sehr viele Kinder mit dem gleichen Ziel. In München im Bahnhof war eine riesige Baustelle da damals die Ubahn gebaut wurde. Und wir mussten mit unserem Gepäck ewige weite Wege an tiefen beängstigten Gruben vorbei um den Anschlusszug nach Mittenwald zu erreichen. Es war auch eklig nasskalt, daran erinnere ich nich noch recht gut. Kaum eine Erinnerung habe ich daran wie wir in Mittenwald weiter transportiert wurden, denn das Kinderkurheim war etwas ausserhalb. Bis zur Ankunft dort war es auch bereits dunkel.

Wir wurden altersmässig aufgeteilt und somit mein Bruder und ich räumlich getrennt, was die Schlafsääle betraf. Die Kleinen durften auf der Alm, also aufm Dachboden schlafen. Und die Mädels kamen in ein ganz anderes Haus. Dennoch war es ein gutes Gefühl dort zu sein, zumindest die ersten paar Tage. Auffällig war, dass es drei Tage seit Ankunft durchfehend geschneit hatte. Damit verflog die Hoffnung auf nen schöne Zeit, denn Schnee schränkte die Freizeitmöglichkeiten ungemein ein und es sollte noch schlimmer kommen.

Das Essen und die Stimmung war gut, die Mädels kamen auch zum Essen mit uns zusammen. Und wir beide waren grundsätzlich froh mal wieder von zuhause in der Pflegestelle weg zu sein. In anderen Berichten bin ich ja schon näher auf die Umstände dort eingegangen. Sozusagen war alles besser als zuhause. Und alleine die verhasste Pflegemutter und Schwester nicht zu sehen erzeugten Frohmut. Und wir freuten uns insgeheim, dass die Beiden jetzt selbst zuhause die Arbeiten erledigen mussten, die sie uns beiden stets aufgebrummt haben.

Doch wie bereits angedeutet sollte sich nun im Heim hier auch etwas ändern. Denn das Haus wurde von einem Dr.Häussler geleitet für den das Wohlergehen der Kinder wichtig war. Doch später haben wir die wahren Gründe erfahren, es ging natürlich um das liebe Geld.

Eine grosse Anzahl der Kinder wurden rigoros auf Diät gesetzt. So auch wir Beiden. Und wir waren eher unterernährt als zu dick. Auch bei den anderen Kindern war es ähnlich und nicht nachvollziehbar. Wir mussten beim Arzt regelmässig in Unterwäsche zum Wiegen antanzen. Und wehe wir hatten nicht abgenommen oder gar zugenommen. Das wurde öffentlich gerügt. Die Gewichtstabellen wurden auch ausgehängt. Dann gab es Grupoenstrafen, da immer welche in Gruppen aufgeteilt wurden. Da ging es darum einen solchen Druck auf zu bauen, dass man jeden verrät der heimlich nascht weil sie etwa von zuhause Päckchen geschickt bekamen.

Und so wurden die Diätkinder wieder vin den Gesunden getrennt. Diese durften alles essen und trinken und sich von den 90 DM, Taschengeld, das jedes Kind mitbringen musste, Naschsacgen kaufen. Und hier unterstützten sie ihr hungernden Freunde. Es klingt so lapidar und übertrieben, aber es war todernst. Wir bekamen meist Tee und Wasabrot und alles ohne viel Kalorien, die anderen tolles Essen. Auch mussren wir jeden Mirgen vor dem Frühstück Sport machen. Das hiess, raus durch den tiefen Schnee bis zu einem ehemaligen Truppenübungsplatz, wo es mit Kniebeugen und anderen Übungen weiter ging. Die gesunden Kinder hingegen durften weiterschlafen. Klar es waren auch einige dabei die wirklich zu dick waren. Da waren zwei Schwestern aus der ersten und zweiten Klasse, die schon um die 70kg hatten, aber heimlich von ihren Freunden zugefüttert wurden. Sie waren die Töchter von dem Chef der Fa. Merck (Arzneimittelfabrik) in Darmstadt. Und sie bekamen immer Essenspakete von ihren Eltern. Das wusste auch die Heimleitung, aber mit solchen Leuten wollte sich keiner anlegen, da sie bestimmt den Arzt selbst auch unterstützen. Wir Kinder waren verzweifelt, denn wir hatten Mitleid mit den Beiden. Sie mussten essen, das war uns auch klar, aber wenn sie nicht abnehnen oder gar zunehmen wurden alle Anderen bestraft.

Ich erinnere mich daran, dass wir obwohl wir evangelisch waren, sonntags mit in die Kirche sind, da dort auch Kinder jede Woche zum Abendmahl durften. Wir freuten uns auf das Brot oder die Obladen, das bestimmt aus Hunger.

Ab und zu gab es auch Ausflüge, etwa ins Kloster Ettal, oder zum Schloss Linderhof und zu den Festspielorten Oberammergau. Die Diätkinder mussten dort oft hinwandern oder teilweise, während die anderen mit dem Bus gefahren wurden. Das schürte auch Hass untereinander.

An einem Samstag stand eine tolke Pferdekutschentour an. Durch den Schnee eingepackt in dicken Decken und Koltern. Anschliessend ging es dann in ein Cafe wo alle Kuchen und Kakao bekamen, wir aber nur Tee ohne Kuchen, oder Kakao ohne Zucker der viel zu bitter war.

Exakt 5 Wochen blieben wir auf Diat und die letzte Woche durften wir wieder alles essen. Für die meisten bedeutete das dann Kotzerei und Magenprobleme weil man wochenlang nichts anständiges zum Essen bekam. Und für die Anderen wie mich bedeutete es, dass ich in der letzten Woche das verlorene Gewicht wiedet drauf hatte. Zuhause stand ich dann als Lügner da. Der Arzt meinte er wollte ja nur unsere Figur und Haltung verändern.

Noch eine Überraschung gabs zum Schluss. Wir durften und mussten von unserem mitgebrachten Taschengeld etwas als Andenken für die Eltern und Geschwister mitbringen. Da hatte ich auch schon Pläne im Kopf, die ich in den Schaufenstern bei den Kirchenbesuchern gesehen hatte. Egal wie unsere Pflegeeltern waren, sie wären nicht angetan gewesen wenn wir nichts mitgebracht hätten. Und ich wusste dass ich nur etwas TG für Briefmarken und Postkarten ausgegeben hatte, also vielleicht 10,- Mark. Das Geld wurde von der Verwaltung verwaltet und genau Buch geführt wenn wir was brauchten. Und siehe da ich hatte nicht mal mehr 10 Dm übrig, auch bei den anderen Kindern sah es nicht besser aus. Die haben uns das einfach geklaut. Keiner konnte kontrollieren wo das Geld hin ist. Erst später als wir zuhause kam dann die Abrechnung. Da waren Dinge aufgelistet die die Diätkinder gar nicht machen oder kaufen konnten. So standen wir dann als Lügner da.

Mein Geld hat da nur noch für irgendein handgeschnitztes Küchenutensil gereicht, was nicht so sonderlich ankam…

Ja das waren meine ersten Erinnerungen an die Berge und die Bayern. Jahrelang habe ich beide gehasst, wo ich nie wieder hin wollte. Dennoch es war auch eine schöne Zeit mit den vielen Kindern und Mädels waren mit 12 auch schon interessant. Imposant waren die Berge und die Kreuze und den Wunsch auf diesen oder jenen Berg mal zu bezwingen, wenn wir grösser sind.

Im Laufe der Jahre gab es doch immer wieder mal Reisen in die Bergwelt, hauptsächlich mit der Schule, etwa in die Jugendherberge zur Abschlussfahrt nach Berchtesgaden-Strub, mit Besuchen am Königssee, Bartholomä, und dem Reichenhaller Salzbergwerk. Reisen innerhalb Deutschlands war damals noch hoch bewertet.

Da hatte ich noch ein tolles erzählungswertes Erlebnis am oder aufm Jenner am Königssee. War noch relativ neu in der Fotobranche unterwegs, arbeitet in Frankfurt in einer Druckerei, wo ich einen kleinen Arbeitsbereich für mich hatte. Anstatt die üblichen Pinup-Girls hatte ich dort Fotos von meinen heimischen Fototouren. Das sah ein Kunde, der den Chef fragte wer diese Fotos gemacht habe. So verwies er auf mich und alsbald hatte ich eine Anfrage ob ich ein paar Bilder für einen Kalender machen würde. Darum sollte es um Jahreszeitenbilder gehen und der Kalender wäre limitiert nur für die hauseigenen Kunden. Natürlich war das interessant auch der Preisvorschlag und so sagte ich zu. Ich hatte damals schon eine verhältnismässig gute und teure Kamera, eine Canon AE1 Program und auch schon recht nützliche Objektive, da ich damals schon kein Fan von minderwertigen Zoomobjektiven war. Und ich sammelte Fotos, legte sieteilweise vor zum Auswählen und zum Schluss fehlten mir nur noch ein paar Schneefotos. 1987/88 war ein winterarmes Jahr und nur in den Bergen lag etwas Schnee. Also entschloss ich mich auf den Jenner zu fahren, das war finanziell mit einem Wochenendticket oder Trämpermonatsticket machbar, aber auch als Drucker verdiente ich nicht schlecht. So ging es dann mit samter Fotoausrüstung los, Batterie war ganz neu und hält Ewigkeiten. Die Schneegarantie bekam ich über einen Anruf dort. Ab in den Zu und in den Süden. Bahnreisen machten damals schon Spass alleine. Gab auch genug Verbindungen. Am Königssee angekommen sah ich nun die Schneepracht und musste den anstrengenden Weg nach oben machen, ich glaube der Lift fuhr auch nicht, musste auf jeden Fall zu Fuss hoch hinauf, wobei ich ja hoffte dass ich schon vorher genug Motive fand. Dem war aber nicht so und ich musste schon etwas höher. Endlich genug Hotspots aber dann streikte die Kamera!!

Batterie leer! Klar es war auch kalt und ich habe sie stets um den Hals gehabt wie auch heute noch. Da entleerte sie sich recht schnell, zumal die Kamera auch zum grössten Teil aus Metall bestand, war es nur noch ein Eisklotz. Ersatzbatterie hatte ich natürlich keine dabei, da sie ja neu war. Fakt ist: Ich musste umkehren ohne Bilder. Auch ein zweiter Versuch war unmöglich, da damals selbst die Touriläden samstags um 13h dicht waren. Daraufhin schwor ich mir, nie wieder mit so ner billigen Amateurkamera zu arbeiten. So war die nächste Anschaffung dann eine Canon F1, voll mechanisch, auch ohne Batterie funktionsfähig, preislich allerdings in einer ganz anderen Klass, doch dann war ich optisch auch im Profibereich angekommen:-) Von diesen F1 hatte ich dann mehrere, wovon zwei auch auf seltsame Weise verloren gingen und eine mir das Leben gerettet hat:-)

Im Übrigen ist der Fotoauftrag fertig geworden, die Schneebilder haben gereicht und im nächsten Jahr durfte ich noch einen Kalender „erstellen“ mit dem Thema Blumen und Pflanzen, wofür ich mir ein Jahresticket im Palmengarten zugelegt hatte. Tatsächlich wurden beide Kalender limitiert aufgelegt und ich bekam auch jeweils 2 davon, die ich aber dummerweise verschenkt habe. Und es war der Start in meine „Fotokarriere“

Nun denn so waren diese Kindheitserinnerungen in Mittenwald sehr prägend und im Laufe der Jahre blieben auch hier noch nur die positiven Erinnerungen wach:-)

In den letzten Wochen wuchs dann die Lust da noch mal hin zu fahren, im Internet konnte ich herausfinden dass das Kinderkurheim mittlerweile leer und verlassen ist. Aber auch das Drumherum wollte ich noch mal sehen. Wie wirkt das heute auf mich und was hat sich verändert? Also die üblichen Beweggründe. Geplant hatte ich dass dann mit einem Abstecher nach Salzburg zu verbinden. Das alleine war aber erst ab dem 15 Juni möglich, da Österreich bis dahin die Grenzen wegen Corona dicht hatte. Wohlwissend, dass es aber im Sommer, also im Juli und August recht viel los sein würde aber auch die Hitze nicht zu unterschätzen ist musste ich doch den Plan baldigst umsetzen, da bekannterweise mein Gesundheitszustand sich ja nicht täglich verbessert. Ein paar Mal musste ich den Start nochmal verschieben da bis zur letzten Wochen recht unbeständiges Wetter herrschte. Dann gabs wiederum Engpässe bei den Übernachtungsmöglichkeiten, denn meine finanziellen Hürden sind nicht sehr hoch. Dann aber hat alles irgendwie gepasst und die Hoteliers waren beinahe traurig mich nicht bewirten zu können und haben selbst etwas in die Wege geleitet um mir Plätze zu organisieren.

Aus den vorherigen Fahrten meines Reisejahres habe ich gelernt immer am Besten auf n Sonntag zu starten wenn ich eine längere Fahrt per Autobahn plane, denn was gibts Schöneres als LKW-freie Autobahnen?! Und so war es dann auch, ich wollte keinen Stress und die Entfernung ist gar nicht so weit, etwa 350km bis Mittenwald, davon etwas 250 km über die BAB. Bedauerlicherweise hat sich unterwegs aber bemerkbar gemacht, dass mein Blinker nicht so funktionierte wie ich das möchte. Damit wird es auf der Autobahn etwas schwieriger mit Überholen und so. Auch auf nem Rastplatz konnte ich dem Grund erst mal nicht nachkommen. Da ich aber gemerkt habe, dass die Autobahn voller wird, bin ich erst mal weiter und bei Bedarf habe ich eben herkömmlich mal mit den Armen gewunken, das war sicher noch auffälliger und sicherer als ein kleines Blinklicht. Erst in Füssen habe ich mich nochmals dran gesetzt um den Fehler zu finden und wie üblich in solchen Fällen, hat er tadellos funktioniert bis zur Rückfahrt:-) Mittlerweile denke ich habe ich den Fehler gefunden und das Teil bestellt für 12,-€

Ab Füssen wollte ich bewusst runter von der BAB, zumal an der Grenze ein Tunnel von 1200 Meter ist, ist zwar grenzwertig für mich, aber die Gefahr dort im Stau zu stecken, empfand ich nicht sonderlich angenehm. Ausserdem gibts in Füssen selbst zu sehen und einen kleinen Abstecher zu den Königsschlössern hatte ich auch noch im Sinn, da ich für die Rückfahrt eventuell ne andere Route gepant hatte. Doch das habe ich dann schnell abgehakt, weil sonntags, tolles Wetter und viele Menschen die die gleiche Idee hatten wie ich. So suchte ich mir ein paar Fotospots wo ich die beiden Schlösser, Hohenschwangau und Neuschwanstein zumindest aufs Bildbannen konnte. Dank meiner Lumix FZ 1000 muss ich da ja nicht so nah ran.

Doch leider war es da noch recht düster am morgen. So ging es dann direkt weiter Richtung Grenze, kurzen Halt machte ich noch am berühmten Lechfall, wo sich aber genau so viele Menschen tummelten, dennoch habe ich hier meine ersten guten Bilder geschossen. Von dort machte ich mich gleich auf eine Seitenstrasse weg vom Fernpass und fuhr über Unterpinswang, und Pflach bis hin nach Reutte, auf dieser Strecke begegneten mir nur hier und da ein paar Wanderer und Radler. Alleine diese 12km waren schon fast die ganze Reise wert. Immer schön an der Lech entlang. Ab Reutte /Tirol aber ging es über den bekannten Fernpass 179 bis nach Leermos um dann Richtung Ehrwald und Garmisch Partenkirchen weiter zu cruisen. Absolut ruhig, stressfrei und landschaftlich beeindruckend, im Tal der grossen Bergketten, an der Zugspitze vorbei. Wie in einem Kinofilm mit riesiger 8K Leinwand. Jeder Kilometer ein Genuss und man ist sofort entschleunigt, keine Hektiker die einem hinten auf dem Nummernschild kleben. In Garmisch selbst waren es wieder vermehrt Touristen, die zumeist zum Eibsee oder in die Partnachklamm wollten und die ganze Stadt blockierten. Durch GAP hat es fast ne dreiviertel Stunde gebraucht. Aber noch schöner wurde dann die Fahrt von dort bis Mittenwald. Auf der einen Seite das Karwendelgebirge, auf der anderen das Wettersteingebirge. Hier habe ich mich wieder über das falsche Motorrad geärgert, hier ist mir ein Chopper die bessere Wahl. Nun denn man kann ja nicht alles haben. Immerhin hat mich mein Bike seit janur überall hin gebracht, zuverlässig, ohne Murren und eigentlich recht sparsam, bei mässigem Tempo brauche ich gute 5 Liter, was verhältnismässig immer noch viel für ein Motorrad ist, aber die Kleine ist auch schon 28 Jahre. Dazu kommt, dass sie saubequem ist, auch auf langen Touren. Sie war ihr Geld wert. Und noch bin ich froh, dass ich sie habe, da sie mir viel Freiheit einräumt 🙂

Das Hotel habe ich schnell gefunden, wurde dort auch sehr liebevoll vom Juniorchef empfangen, konnte dann mein Gepäck erst mal abladen und mich etwas frisch machen um gleich erst mal die Umgebung zu erkunden, denn wer weiss was mich morgen fürn Wetter erwartet?!

So kam es dann auch, dass ich mich auf den Weg zum Schmalensee machte um das ehemalige Kinderkurheim auf zu suchen. Ich wusste ja, dass es leer steht, aber gut bewacht für ne typische Lostplace-Location. Doch weil ich da ein ehrlicher Kerl bin, habe ich dann als erstes bei einem Nachbarn geklingelt, wo mir die Frau bereitwillig Auskunft gab und mir einen Tip wo ich am besten reinkomme um ein paar Fotos zu machen, selbstverständlich nicht in die Gebäude selbst, da sie wirklich verschlossen waren. Ein paar Fotos konnte ich echt machen und tatsächlich erwachten einige Erinnerungen.

Die nächsten Tage habe ich mich dann auf die Suche nach vielen alte Spuren gemacht, wo ich früher zu Fuss hin musste. Teilweise war ich zu unterschiedlichen Tageszeiten da. Auch wenn ich mal in einem abgesperrten Bereich einfuhr wurde ich immer noch freundlich vom Bauern gegrüsst. Die Tour war sehr ergebnisreich und erholend. Das Essen und die Unterkünfte beinahe perfekt und günstig.

Interessant war auch der Weg in und durch die Leutaschklamm. Der Anfang der Schlucht liegt eigentlich in Tirol, aber es war mir unmöglich die ganze Strecke zu gehen so war ich nur im unteren Teil in Mittenwald. Die Abkühlung aber war perfekt an dem hitzigen Tag:-)

Die Rückfahrt hat mich doch nochmal über Füssen gebracht und ich kam etwas näher an die Schlösser dran, auch das hat sich gelohnt. Doch bis nach Hause war es noch weit und anstrengend. Hier habe ich kurzerhand meine Planungen umgeworfen und weil ich noch recht früh am Morgen war, entschloss ich mich noch ein Stück auf der deutschen Alpenstrasse zu fahren. Eine landschaftlich schöne aber auch anstrengende Strecke. Da gabs noch einige Seen zu sehen

und letztendlich ging es dann über den Oberjochpass ins tiefe Illertal über Bad Hindelang bis nach Kempten.

Die Tour über Lindau und den Bodensee wollte ich mir aufgrund der dort zu erwartenden Menschenmengen ersparen. Daher wollte ich dann über Kempten und Ulm in Richtung Heimat:-)

Aber natürlich kam es anders. Klar auf der Autobahn A7 bis zur Raststätte Allgäu im gemütlichen Tempo sogar mit recht wenigen LKW. Dort musste ich nochmals volltanken, was ich eigentlich lieber ausserhalb der Autobahn mache, doch da war weit und breit nicht viel zu sehen und ob das nun ein Euro mehr kostet oder nicht war mir dann auch egal. An der Kasse entdeckte ich dann leckere Riesenbockwurst zum akzeptablen Preis, welche ich auch gleich mitkaufte. Draussen dann nen schattigen Platz gesucht, weil es war schon recht hitzig unter dem Helm. Dann noch schnell die HONDA von der Zapfsäule weg schieben, um den Platz nicht zu blockieren. Seitenständer raus und abstellen und siehe da plötzlich sinds ja fast 20kg mehr und so ist sie mir prompt umgekippt:-( Hat richtig geknirscht und ich dachte schon nichts gutes. Glücklicherweise kam auch gleich ein junger Mann daher der mir behilflich war sie wieder auf zustellen, denn 250kg stellt man alleine nicht auf. Schnell geschehn. Dann geschaut was alles kaputt ist. O.k.- Schalthebel leicht verbogen, Kupplungshebel auch, sowie auch der Spiegel, aber nichts sonst abgebrochen:-) Sinnigerweise kann ich durch den verbogenen Spiegel nun besser sehen als vorher:-) Und da ich grundsätzlich Original Brems und K-Hebel kaufe, denn die verbiegen sich, andere billige brechen ab, weil sie aus billigem Spritzguss sind, konnte ich nach dem Verzehr der Bockwurst ohne Probleme weiterfahren, bis kurz vor Ulm. Denn dort war die Autobahn dicht, Unfall, Stau und nach guten zwei Kilometer bin ich einfach die nächste Abfahrt runter. Denn es ist ein geiles Gefühl auf der Autobahn und dem Helm sich durchkochen zu lassen. Der Gesetzgeber erlaubt es auch in diesem Fall nicht mehr sich „zwischendurch zu drängeln“

So bin ich dann irgendwo über Kirchheim Teck über Land nach Hause gefahren. Mitten im Berufsverkehr ist das auch nicht besser als auf der Autobahn. Motorradfahren im Sommer war noch nie so mein Lieblingsding, aber immerhin konnte ich ab und zu mal rechts ranfahren oder zur Burg Teck, die natürlich geschlossen hatte an dem Tag. Es hat mich sehr viel Zeit gekostet, aber da machts heimkommen dann auch mal Spass

Burg Teck
Burg Teck Oven
Blick über Oven/Teck

Gerne hätte ich hier und da noch ein paar mehr Aktivitäten wahr genommen, doch leider wäre das nur mit einer erhöhten Dosis Schmerzpflastern oder Tabletten möglich gewesen. Das wäre aber nicht in Verbindung mit weiteren Motorradfahrten zu bringen gewesen. Ab und zu habe ich auch den Wunsch mal zu vergessen, dass ich doch ernsthaft erkrankt bin. Leider wird das aber wöchentlich schwieriger, da sich die Schmerzen und Einschränkungen bemerkbarer machen. Seit gut zwei Wochen habe ich Probleme meinen linken Schuh an zu ziehen, das ist nur über kleine Umwege machbar. Glücklicherweise spüre ich da wenigstens keine Schmerzen, aber ich merke dadurch auch nicht was mich noch erwarten wird.

So muss sich wohl mich damit abfinden, dass das wohl eine meiner letzten grossen Touren gewesen ist. Klar ich war im Frühsommer auch schon mal an einer solchen Situation, doch nun kommt eben auch noch die Belastung der Schmerzmittel dazu, denn die belasten das System ja auch körperlich, sprich sie schlauchen ganz schön.

Und doch bin ich froh, all diese Touren gemacht zu haben. Sie haben mich sicherlich gepusht um überhaupt bis hier her zu kommen, denn wenn ich mich nicht zu diesem Schritt entschlossen hätte, das Motorrad zu kaufen, wäre ich wohl längst zu Hause eingegangen. Andererseits habe ich nun keine grossen Ziele mehr, das Südfrankreich, habe ich von meiner Liste gestrichen auch wegen Corona. Ich versuche mich nun mit den kleineren Tagestouren zu motivieren, was aber auch finanzielle Gründe hat. Motorradfahren kostet eben auch Geld un dich bin froh, dass ich das alles selbst finanzieren kann, das ist auch Freiheit:-) Und nichts ist wichtiger als Freiheit:-)

Ich weiss nicht was mich noch erwartet ich versuche zumindest gelassener damit um zu gehen, denn ich kann es eh nicht ändern. Die aktive Zeit des Kämpfens habe ich hinter mir gelassen. Ich wünsch mir dass ich noch lange Herr über meine Ängste bin und noch ein paar schöne Zeiten mit besten Freunden geniessen und erleben kann, wenn es auch zunehmend passiver werden wird. Aber ich habe auch das Gefühl dass ich diese Pflicht habe diesen Freunden noch etwas zu geben, damit sie etwas für Ihre Erinnerungen späteren Zeiten haben:-) Andererseits brauche ich sie auch wieder dazu. Vielleicht ist das der Sinn des Lebens? Ich denke schon, dass da etwas Wahres dran ist. Irgendwie für einander da zu sein, ohne etwas dafür geben oder erwarten zu müssen.

Wer Lust hat sich ein paar Fotos meiner Alpentour anzuschauen, kann das über folgenden Link tun:
https://photos.app.goo.gl/erR6yHdoeaTYTQBW8

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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