Welcome at Birds-Mountain

Hört sich so international an und in Wahrheit ist der Vogelsberg doch eher kleinbürgerlich und bäuerlich. Dennoch ist es eine wunderbare und schöne urige Landschaft. Geologisch ist es der grösste erloschene Vulkan Mitteleuropas und damals natürlich ohne Wald. Ich bin im nahen Grenzgebiet zur Wetterau aufgewachsen und an manchen Tagen habe ich Sehnsucht nach dieser Landschaft, weniger zu den Leuten selbst. Und da mein jüngerer Bruder dort noch wohnt, gibt es durchaus mal nen Grund da auch spontan hin zufahren. Sind auch immerhin über 250km Entfernung von hier.

Schotten, quasi das Einfallstor zum Vogelsberg ist seine Heimat geworden und sein Geburtstag letzte Woche war erst recht ein Grund wieder mal hin zu fahren. Denn schon bei seiner Geburt war ich einst dabei vor über einem halben Jahrhundert.

Auch war es ein Vorteil dass er mal Urlaub an dem Tag hatte, so gabs kein Zeitproblem.

Schon früh am Morgen bin ich von zuhause los, denn auch hier wollte ich es stressfrei angehen. Das war jedoch schnell vorbei, da ich schon nach den ersten 10KM im Stau steckte. Glücklicherweise erwischte ich noch die Ausfahrt und fuhr dann auf der Landstrasse weiter. Die HONDA schnurrte wie immer ganz ruhig, der Service in den letzten Wochen und die neue Reifen machten sich positiv bemerkbar.

Aus den geplanten 3 Stunden Fahrt per Autobahn wurden es einige mehr über Landstrasse und da genoss ich jeden Kilometer. Besonders nördlich des Mains wo die Umgebung hügeliger wird, ist ein Genuss für die Augen und die Nase. Jetzt machte ich auch öfter mal ne kleine Pause. Und ich beobachtete die Bäume wie sie sich im Sonnenlicht scheinbar einem Tanz hingaben. Jeder Meter den ich weiterfuhr veränderte sich das Licht und Schattenspiel. Ich war an Orten, an denen ich als Schüler zum letzten Mal dort war, denn besonders die Höhen nutzen die Schulen zum Ski und Schlittenfahren.

Zuletzt ging es dann nur bergauf auf über 700Meter zum Hoherrodskopf. Es ist zwar nur der zweithöchste Berg dort neben dem Taufstein, doch die Infrastruktur deutet schon von weitem auf ein Naherholungsgebiet. Zu meiner Jugendzeit gab es dort, ausser einem Lift und Kiosk und nem Gasthof nichts mehr. Es war alles auf den Wintersport zugeschnitten. Aber inzwischen ist es wirklich ein toller Pltz geworden, mit Sommerrodelbahn, Baumkronenpark und Kletterwald, dazu ein riesiges Wanderparadies mit herrlicher Aussicht. Ja es fahren sogar Busse, auch für die Radler, teils aus Frankfurt, genannt der Vulkan-Express. Echt sehr vorbildlich auf und ausgebaut. In dieser sehr ländlichen Umgebung wo es kaum Industrie und Arbeitsplätze gibt eine tolle Alternative um zumindest in der Tourismusbranche zu punkten.

Nun war ich dort oben, einen meiner Lieblingsplätze der früheren Zeit. Es war früher Nachmittag, sonnig, warm und bis zu meinem Bruder gerade noch 10km. Sein Geburtstag war eh erst morgen. Gerne wäre ich dort oben ein Stück gewandert, doch meine Schmerzen liessen es nicht zu. Zwar habe ich jederzeit sehr wirksame Schmerzmittel dabei, welche ich aber eher für den Notfall aufhebe, da ich bei Einnahme kein Motorrad mehr fahren kann. Glücklicherweise kommen diese Schmerzen nur beim Laufen, nicht beim Fahren, weil ich dort ja ruhig sitzen kann und die betroffenen Regionen nicht reize.

Also was lag näher als spontan dort zu übernachten? Gesagt getan. Recht schnell ergatterte ich ein Zimmer mit Frühstück und perfekter Aussicht für 45€. Das war es mir wert, denn nach guten sechs Stunden auf dem Bike sehnte ich mich auch nach einer Pause.

Mit kleinen ja sehr kleinen Tippelschritten erkundete ich dort die nähere Umgebung und fuhr noch ins Tal zum Niddastausee und später gönnte ich mir dann im Gasthof noch ein deftiges herzhaftes Gericht, mit Sicherheit Tönniesfreiem Fleisch.

Noch öfter machte ich mich vom Zimmer wieder herunter um die Aussicht noch besser geniessen und fotografieren zu können. Gegen 22h wurde mir dann bewusst, dass ich beinahe ganz alleine dort oben auf dem Berg war, zumindest draussen. Denn im Gasthof war ausser mir nur noch ein Gast der sich mit dem Rad dort hin quälte. Er lag sicherkich im tiefsten Schlaf.

Es war dann tatsächlich ein gutes Gefühl, dort alleine zu sitzen, und die Aussicht bis nach Frankfurt zu geniessen. Leider fing es dann aber zu regnen an und kühl wurde es auch, so dass ich mich ins Zimmer verkroch. Denn auch hier hatte ich beinahe die gleiche Aussicht. So konnte ich trotz Regen beobachten wie alles langsam dunkler wurde und in der Ferne, in etwa 80km konnte man die beleuchtete Skyline von Frankfurt erkennen, die zuvor noch im Abendrot glänzte und spiegelte Ein absoluter gelungener Abend und ner guten Idee dort zu übernachten.

So nach und nach wurde der Regen stärker und der Wind peitschte das Wasser an die Fenster. Eigentlich war es ohrenbetäubend dieser Lärm und hatte doch etwas beruhigendes.

Dennoch war an Schlaf nicht zu denken, da mir die Schmerzen keine vernünftige Schlafposition erlaubten. So versuchte ich im kompfortablen Bett im Sitzen zu schlafen, aber auch hier bohrten die Gedanken, erreiche ich jemand wenns mir schlechter wird, oder nen Darmdurchbruch oder ähnliche Probleme bekomme? Diese Krankheit und die Angst ist seit Wochen prasenter als zu vor. Und wenn ich da sterbe und solche Gedanken sind nun immer im Hinterkopf. Sie mit dem Larm des Regens und der Angst liessen mich kaum schlafen. Sollte jetzt auch nicht so tragisch sein, denn die nächste Nacht wollte ich in Frankfurt verbringen, was gerade mal eine Stunde Fahrt ist.

Leider war an den Sonnenaufgang nicht zu denken, da in der Früh eine totale Nebelwand ditekt vorm Fenster war. So genoss ich dann zumindest wie sich der Nebel auflöst, auch das ist imponierend, wenn sich der Blick ins Tal dauernd erweitert.

Nach dem Frühstück, auch hier war ich alleine, machte ich mich reisefertig.Der Regen hatte längst aufgehört und hier und dort erkannte man die ersten Sonnenstrahlen. Es wird wohl ein schöner Tag werden😊

Auf dem Weg zu meinem Bruder ging es nur bergab, die Strassen sind in recht gutem Zustand und als berühmt berüchtigte Motorradrennstrecke bekannt. Da bleiben im Jahr schon einige Biker auf der Strecke. Gerade am gestrigen Abend als ich dort oben die Aussicht genoss, hörte ich ein paar Motorräder noch den Berg hochheizen deren Fahrer wenig später gemütlich ihre Biere runterzischten, zur Feierabendrunde.

Auf dem Weg nach unten, den ich gestern bereits zweimal hochgefahren bin, war mehrmals in den Kurven zu erkennen, dass der heftige Regen in der Nacht kleine Schottersteine vom Rand auf die Strasse spülte. Nachts wären die gar nicht zu erkennen und selbst tagsüber eine beinahe tödliche Gefahr für all die Kurvenfreaks. Ist allerdings auch bedauerlich, dass die Gemeinde da nicht Abhilfe schafft.

So besuchte und frühstückte ich nochmal stressfrei mit meinem Bruder um dann später nach Frankfurt zu fahren. Ich fühlte mich recht fit nach einer kleinen Pause bei einer Freundin, so stand der Rückfahrt nach Pforzheim per Autobahn nichts im Wege. Lediglich eine andere Freundin wollte ich quasi auf dem Heimweg besuchen.

Der Besuch war auch toll, wie immer viel zu kurz, doch ich wollte im Hellen losfahren. Gerade als ich wieder reisefertig war ging ein Platzregen runter mit herrlichem Regenbogen. Auch das irgendwie romantisch. Leider dauerte der Regen jedoch länger und die Dunkelheit rückte näher. Ich überlegte ob ich wirklich noch die 150km fahren möchte, denn immerhin fehlt mir ja ne Nacht Schlaf.

Ich musste sowieso zuerst zur Tankstelle, und da kann ich letztendlich entscheiden. Die Strasse war stellenweise nass, was auf nur örtliche Platzregen deutete. Also die Autobahn wird wohl trocken und um diese Zeit auch leer sein.

In der Dämmerung erkannte ich einige Wolken und die Weitsicht war auch eingeschränkt. Kaum dass ich nun an die Tankstelle fuhr, kam aus dem Nichts heftige Sturmböen und Wasser wie aus Eimern. Ich schaffte es nocht die VFR auf den sicheren Hauptständer zu stellen.Und die Überdachung war fast nutzlos, da der Wind den Regen in alle Richtungen peitschte. Volle Getränkekisten und Mülltonnen sowie Schirme flogen kreuz und quer. Dann kam eine Frau die gerade bezahlt hatte zurück zum SUV machte die Beifahrertür auf um einzusteigen. Plötzlich riess der Wind die Tür auf und zu und schlug die Tür nach vorne auf, also aus dem Band heraus, sie war total kaputt, die Frau sass glücklicherweise schon drin, doch ihr Mann öfnete die Fahrertür, wohl um die andere schließen zu wollen. Und in diesem Moment flog durch den Durchzug alles mögliche aus dem Auto.

Ein paar Minuten später war alles vorbei, die Sonne kam wieder raus. Und ich war heilfroh dass ich nicht auf der Autobahn war. Natürlich fuhr ich dann 30km über Landstrasse zurück nach Frankfurt und die Heimfahrt trat ich erst am nächsten Tag an, dann aber ausgeschlafen und entspannt😊😊

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

2 Kommentare zu „Welcome at Birds-Mountain

  1. So schön, deine Erlebnisse mitverfolgen zu können. Du schreibst so als wäre ich dabei gewesen. Aus dir hätte auch ein Buchautor werden können🙂🌺und schön zu wissen wie du jeden Atemzug genießt!💞

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