Endlich austherapiert..

oder wie….?

Früher als ich mich noch nicht so beschäftigt habe mit Krankheiten, Therapie & Tod ging ich wie viele Andere auch davon aus, das „austherapiert“ etwas Gutes bedeutet, nämlich dass die Therapie nun zu Ende ist und der Patient geheilt.

Dass dies nur zum Teil richtig ist, habe ich im Leben dann schnell gelernt, da dieser Begriff beinahe alltäglich wurde. Denn nicht gerade wenige Menschen sind nach diesem Status gestorben, leider nicht selten auch grausam und leidvoll. Das dürfte euch bestimmt auch bekannt sein. Und letztendlich wünscht man sich doch, niemals in eine solche Situation zu geraten. Ja aber das sind auch Wunschträume, denn insbesondere Krebs ist so weit verbreitet, dass man das Gefühl bekommt,- nicht daran zu erkranken ist unwahrscheinlicher. Und kriegt man es selbst nicht, dann wird es schon irgendeiner oder mehrere in der Verwandschaft oder Bekanntschaft bekommen.

Das ist nun mal die Realität. Und ich bin schier überrascht wie viele junge Menschen das schon in ihren Lebensplanungen mit drin haben. So in der Art, erst Teenager, Job, Familie und Kinder und dann Krebs. Das bekam ich echt oft zu hören, viele rechnen damit es zu bekommen oder daran sterben.

Ich weiss nicht ob es im Prinzip richtig ist, so zu denken. Lebt man dann nicht dauernd mit einer unterschwelligen Angst? Oder macht man es dann besser wenn man dadurch bewusster lebt? Sich mehr erlaubt oder traut ? So gesehen ist dieser Weg der Bessere, denn wenn die Diagnose erst mal gefallen ist, ist es für die Meisten zu spät nochmal etwas “ besser“ zu leben oder überhaupt noch etwas zu erleben, da die Angst in diesem Moment so gross ist und nicht selten unberechtigt, keine Zeit mehr zu haben. Ich kenne welche die haben an dem einen Tag die Diagnose bekommen und am nächsten Tag ging die Therapie los. Tatsächlich aus dem Leben gerissen. Die Angst ist nun dein treuer Begleiter. Man gibt sich sofort in die Hände der Ärzte in der Hoffnung, dass die alles dafür tun um dich zu retten.

Bestimmt ist das richtig.Kein Arzt wird dich einfach sterben lassen, denn es ist auch ein Minuspunkt auf seinem Konto. Und daher ist auch das Vertrauen zum Arzt das Wichtigste. Aber meistens sind es fremde Ärzte die die Behandlung übernehmen, denn der über jahrelange bekannte Hausarzt ist es ja nicht. Wie kann man aber Vertrauen zu jemanden haben, den man nicht kennt? Die meisten Menschen können es nicht, dieses Vertrauen auf den ersten Blick! Aber was haben sie für eine Wahl? Die Angst lähmt sie und sie wollen keine Zeit verlieren. Also ergeben sie sich mit der ganzen Situation.

Ich sehe das anders und ich habe das anders umgesetzt. Und es scheint der richtige Weg gewesen zu sein, denn ich lebe noch immer.

Nach der Diagnose die bei ner simplen Darmspiegelung zum Vorschein kam war ich etst noch eine Woche im Ungewissen bis die Laborwerte eindeutig sagten. Darmkrebs Stadium 3b. OP dringend, da kurz vorm Darmverschluss.

Das hat mich dann auch aus den Socken gehauen. Dennoch fragte ich was mich erwartet, wie lange ich im Krankenhaus bleiben muss und ob ich ne Chemo oder Bestrahlung brauche. Hunderte Fragen mit ebenso vielen Antworten ließen mich kaum mehr schlafen. Zudem schlug direkt ne Lungenentzündung ein und legte mich für ein paar Wochen flach. Doch genau diese Zeit habe ich gebraucht um den weiteren Weg abzuklären. Ich wusste dass ich längere Zeit in der Klinik bleiben würde und dann nen künstlichen Darmausgang bekomme, bis nach der eventuellen Chemotherapie.. Also klapperte ich einige Krankenhäuser im Umkreis ab, machte Termine mit den Ärzten die mich operieren und weiter behandeln werden. Und da suchte ich mir das harmonischste Paket raus, wobei die Sympathie zum Arzt und zurück das Wichtigste war. Meine Wahl war richtig, denn ich konnte den Ärzten vertrauen. Ich hatte keine Angst vor ihnen, räumte dennoch meinen Respekt ein und ich war ihnen bekannt. Nicht mehr nur ne Nummer morgens auf dem OP-Tisch. Das ist reine Psychologie, aber lebensnotwendig. Das kostete aber auch Zeit. Ich wurde erst gut 2 Monate nach der Diagnose operiert. Im Übrigen habe ich die Stoma nur zwei Monate behalten und vor der Chemo kam der künstliche Darmausgang wieder weg. Darauf bestand ich, was den Ärzten auch nicht immer gefiel. Wie schon mehrfach erwähnt, ohne Vertrauen zum Arzt geht nichts! Denn sonst bleibt die Angst im Vordergrund. Doch ab nem gewissen Punkt muss man Grenzen ziehen, denn es ist kein Geheimnis, das die Docs verpflichtet sind, das Leben zu erhalten, zu welchem Preis auch immer. Und dadurch kommt es nicht selten zu Konfrontationen bei den Therapieabläufen.

Deswegen immer im Bewusstsein halten:

Als Patient ist man freiwillig dort und man ist kein Gefangener! Es gibt keinen Grund sich unter die Ärzte zu stellen, man ist auf Augenhöhe mit dem beiderseitigen Respekt😊 Dann klappts auch mit der Genesung!

Oder auch nicht? Dann endets mit der Austherapie. Ein scheusslicher Begriff für den es zutrifft, der von dem betroffen ist.

Aber keiner fällt dieses Wort, nirgendwo wirds einer reinschreiben von den Ärzten, genauso wie palliative Behandlung. Und doch liegt es unausgesprochen in der Luft und kurz danach im Hirn wo es sich manifestiert bis zum letzten Atemzug. Es ist beinahe das gleiche Gefühl wie die Erstdiagnose. Jedoch gibt es einen eklatanten Unterschied, denn bei dieser steht noch ein Begriff: Hoffnung. Hoffnung dass ich es schaffe duesen Kampf zu gewinnen. Das spornt viele, besonders junge Patienten an, die noch nicht all zu viele schlechte Lebenserfahrungen gemacht haben. Und genau das ist ihre Chance tatsächlich zu gewinnen, zu überleben. Denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und für manche nie.

Aber austherapiert ist nun das andere Ende der Hoffnung?

Tatsächlich haut das einen um wie die Erstdiagnose. Aber auf was soll man jetzt hoffen? Dass man noch viel Zeit hat? Lange keine Beschwerden? Ja warum nicht? Sicher ist es dass dieser Weg jetzt kein leichter wird, doch das waren die Wege vorher auch nicht. Und hier fehlt es wieder, die Hoffnung. Beschwerden, Leid, Siechtum, das Alles hat man nun zu erwarten. Da geht kein Weg daran vorbei, es sei denn man beendet diesen auf andere Weise. Daher ist doch die Hoffnung auf wenig Leid und Beschwerden legitim. Vor Allem wenn man sich ja eh nichts mehr anderes wünschen kann. Ihr Kreditrahmen ist erschöpft. Ja und ich bin es auch irgendwo und irgendwie. Denn schon seit Tagen, ja sogar seit Wochen schlage ich mich damit rum, wie und ob die Chemotherapie fortgeführt werden soll. Und genau hier ist der Punkt zum Grenze ziehen, bezüglich des Vertrauen zum Arzt. Denn seine Aufgabe und persönlicher Triumpf ist der, mich so lange als nur möglich dzrchzubringen. Natürlich ist das in erster Linie ja auch mein Begehren, so lange als möglich durch zu halten. Aber stimmt das wirklich? Leben um wrlchen Preis auch immer? Ich habe da eine Einstellung die sich von anderen unterscheidet, und habe mir beizeiten schon Grenzen gesetzt.

Ich kenne mittlerweile einige auch von der Chemotherapie sowie Freunde und Bekannte die leider schon verstorben sind. Diese haben oft tägliche Behandlungen, oder sind dauerhaft im Krankenhaus über Monate und haben mit etwas Glück am Wochenende Zeit für die Familie oder Kindern oder Partner.Und genau diese Stunden ist das Wichtigste in ihrem Leben geworden und für diese kämpfen oder kämpften sie.. Sie haben nur noch diesen Tunnelblick für die paar Stunden Freude.

Ich habe da einen anderen Weg eingeschlagen. Nach der Erstdiagnose habe ich meinen Bekannten und Freundeskreis runtergefahren, wie man das salopp bezeichnet. Ich wollte nicht, dass ich bemitleidet werde, oder andere in unnötiges Mitleiden hineinziehe. Auch gegenüber einer Partnerin ist das undenkbar für mich. Hab immer auf Augenhöhe agiert und möchte jeine Krankenpflegerin als Freundin. Das täte beiden Seiten nicht gut und wird bestätigt von den zerbrochenen Partnerschaften nach einer Krebstherapie. Da bin ich recht selbstlos. Was man liebt, muss man beizeiten auch loslassen..

Daher habe ich das Gefühl, dass es mir leichter fällt zu gehen. Auch konnte ich immer selbst entscheiden während der Therapie und musste nicht viel Rücksicht nehmen. Und ich entging dadurch einen grossen Fehler. Von den oben erwähnten Bekannten, die teilweise leider nicht mehr da sind, habe ich nehrfach gehört, dass ihnen die Nähe zur Liebsten oder Familie zu schaffen machten. Oft bemuttern sie zu sehr, auch wenn es aus tiefster Liebe geschieht, aber es schränkt ein. Als Kranker wurden sie Tag undNacht versorgt, das selbständige Leben und Denken hat damit dann aufgehört und sie warteten nur noch auf das Ende, aber immerhin sind sie nicht alleine.

Na klar hatte ich auch Zeiten wo ich gerne in einer Beziehung gewesen wäre, aber ich war auch nie einsam, da ich recht gute Feeunde habe, die dann da sind.

Also ich hatte genug Zeit mich in den letzten Tagen und Wochen darauf vorzubereiten und mich letztendlich gar entschieden die Chemotherapie nicht mehr weiter zu führen.Hauptsächlich aus dem Grund, da es mir recht schlecht erging nach den Chemos und ich immer mehr Zeit zum Erholen brauchte. Ja selbst das verlorene Gewicht wieder drauf zu bekommen war nicht mehr möglich. Und besonders in den letzten drei Wochen ging es mir unsagbar mies, bedingt durch die Leber und Nierenbeschwerden und letztendlich vor der Angst des Nierenversagens mit der Chance auf Dialyse. All das sind Kriterien die ich recht früh ausgeschlossen hatte, da es letztendlich nichts anderes ist als ein Dahinsiechen bis zum letzten Atemzug. Dies kenne ich von den Bekannten und Freunden, denen es nicht anders erging. Chemo bis zum Tod? Nein, das ist mir nicht lebenswürdig. Daher kam das heutige „Austherapiert“, da die Werte irreparabel sind, zwar überraschend, doch nur mit der halben Kraft daher.

Und dennoch ist sowas offizielles dann irgendwie wie ein Schlag in die Magengrube. Unverhofft kommt oft…

Nun denn, was wird mich jetzt erwarten? Erst so ganz langsam sreigt das Unbehagen hoch. Ab in den Endspurt um es sportlich zu beschreiben.

Ich denke erst in den nächsten Tagen wird das alles im Hirn ankommen. Die Angst vor dem Ungewissen lähmt und betäubt. Der letzte Weg hat vielleicht noch viele Stationen, die sicherlich nnur in eine Richtung gehen. Körperliche Beschwerden, jetzt schon zur Genüge werden nicht mehr besser werden, sondern eher schlechter. Schmerzen ebenso. Und noch viel schlimmer die Angst vor dem „nicht mehr alleine alles machen zu können“. Wie lange werde ich noch Motorrad fahren können? Werde ich einen Pflegedienst brauchen? Jemand der oder die für mich kocht und einkauft? Werde ich Alpträume bekommen und andere Ängste. Werde ich die Kraft haben zum Sterben? Oder werde ich es garnicht mehr mitbekommen?

Fragen über Fragen die mich momentan beschäftigen, mich aber noch nicht ängstigen.

Aber das kann sich schon in den nächsten Tag ändern. Und komischerweise bin ich da nicht mal neugierig drauf:)

Ich danke euch fürs lesen und kenne auch viele eurer Kommentare. Ich erwarte von niemandem, dass er mich versteht und doch bin ich glücklich wenn ihr es so akzeptiert. Aber auch muss Euch bewusst sein, dass sich meine Blogerei hier auch verändern wird. Die heiteren Momente werden weniger, das ist sicher. Daher müsst ihr selbst entscheiden ob ihr bis zum Schluss dabei seid.

Aber mit etwas Glück dauert es gar nicht so lange😊 das ist zumindest mein heimlicher Wunsch…

so long……

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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