Neue Wege..

Oder doch alte schon gegangene? Oder gar den Letzten?

Wer weiss das schon… Aber die letzten Tage, sogar Wochen musste ich mich wieder mal intensiv mit beschäftigen eine Wahl zu treffen. Wie sehr ich das inzwischen hasse, dürfte ja jedem bekannt sein. Denn immerhin sind die Wahloptionen meistens bescheiden bis beschissen und entscheiden doch über Leben und Tod.

Nun ging es darum Chemo weiter zu machen oder nicht. An dieser Stelle war ich ja schon öfter und eigentlich könnte man meinen es wird leichter mit der Zeit. Aber dem ist eben nicht so, da es jedesmal neue Aspekte und Bedingungen gibt.

Nun wenn ich mal über die letzten Jahre zurück denke und sehe dass ich immer noch da bin und lebe, kann ich mit Recht behaupten, dass ich mich offensichtlich immer richtig entschieden habe. Und das nicht selten gegen die Meinungen der Ärzte oder gar Freunde. Denn letztendlich muss ich stets selbst entscheiden. Gerne wäre ich da hin und wieder mal Kind gewesen und die Eltern entscheiden lassen.

Nun gut es ist mein Leben und keiner ist verantwortlich für mich. Und um ehrlich zu sein möchte ich das auch keinem aufbürden.

So stehe ich eben jetzt wieder an so einem Wendepunkt, vlt. sogar zum letzten Mal. Um was es geht haben die Meisten von euch ja mitbekommen.

Anfang des Jahres war es ziemlich sicher, dass ich den Sommer nicht mehr erleben werde, was sich auch bei der CT im Februar bestätigt hat.. Jetzt hatte ich nichts mehr zu verlieren und so stimmte ich der Chemotherapie ab März zu. Diese waren kein Zuckerschlecken, ihr erinnert euch sicherlich dran. Aber welch Wunder hat sie dann schon nach der 3ten angeschlagen, ein Tumor ist sichtbar kleiner geworden. Das hat mich natürlich motiviert weiter zu machen. Doch es entwickelte sich zur reinen Quälerei. Und selbst nach der 6.Woche nach der letzten, der 5ten, hab ich immer noch Probleme. Zwar spriessen die Haare wieder, aber sicher wird auch das sich wieder andern. Das ist allerdings nicht das grösste Problem, nur ein Nervpunkt dazu.

Nun schaut der Plan so aus. Jede 3te Woche Chemotherapie und die Zeit dazwischen brauche ich zum Erholen um überhaupt wieder fit zu werden und um das verlorene Gewicht wieder drauf zu bekommen. Und dieser Ablauf wird bis zu meinem Lebensende so sein. Denn heilbar ist es alles nicht mehr. Und sobald ich die Chemo abbreche, wird sich der Krebs wieder ausbreiten, zudem kann es aber sein, dass die Chemo auf Dauer nicht so erfolgreich bleibt.

Und mein körperlicher Zustand wird sich kontinuierlich verschlechtern. Tatsächlich vielleicht etwas langsamer als ohne. Aber es wird kein normales Leben mehr sein, da ich im Prinzip nur für die Chemo lebe mit der Chance die Zeit dazwischen nur noch zuhause und im Bett zu verbringen.

Für mich ist das kein lebenswerter Zustand. Dazu kommen aber auch die kaum zu ertragenden Schmerzen, die auch mit der Chemo nicht verschwinden.

Sicher sehen manche von Euch das anders als ich, weil das Leben an sich wertvoll und jeder Tag ein Geschenk ist. Aber es sollte lebenswert sein und bleiben.

Nun da stehe ich nun vor der Entscheidung. Aber wenn ich es alles persönlich abwäge spricht mehr gegen eine Chemoweiterbehandlung. Die Psyche spielt dabei auch ne Rolle. Wenn ich nicht regelmässig an die frische Luft oder raus komme werde ich depressiv.

Aber was ist der andere Weg? Nun ja er wird mir sicherlich das Leben verkürzen. Sterben müssen wir eh alle. Ob die verbleibende Zeit dann leichter oder schwerer verläuft weiss niemand, aber das kann mir auch keiner mit der Chemo sagen. Man oder ich muss das Beste draus machen. Klar etwas Angst ist schon da vor dem Ungewissen was da noch kommt. Aber ich habe gute Freunde die für mich da sind und sicherlich meinen Entschluss mit tragen. Das hat auch nicht jeder und es ist sehr wertvoll. Auch habe ich gute Ärzte.Doch auch die Alle können nicht für mich entscheiden. Und sollen es auch nicht.

Also wähle ich diesen Weg. Auch das wird kein leichter sein und vielleicht wirklich der Letzte. Doch den möchte ich noch voll auskosten mit der gleichen Euphorie wie im Januar als ich mir das Motorrad gekauft habe. Allerdings denke ich dass diese Fahrerei auch bald ein Ende hat. Die besagten Schmerzen werden nicht weniger und angenehmer und auf Dauer muss ich die Medikamentation auf Oxycodon umstellen, da die herkömmlichen wie Tramal oder Tilidin nur noch begrenzt helfen. Doch mit den neuen Tabletten darf und kann ich nicht mehr Motorrad fahren. Ja klar tut dieser Gedanke auch weh, aber im Lauf der letzten Monate musste ich auf soviel verzichten, da gewöhnt man sich langsam daran. Man findet seinen Frieden damit, wenn man es zu lässt. Und so will ich mal planen, dass ich bis zum August noch einige Touren schaffen kann. Denn auch das ist ein Geschenk, da wie schon am Anfang erwähnt; keiner hat gedacht dass ich bis zum Sommer noch da bin. Also sollte ich das auch positiv sehen😊

Was aber bei dieser Entscheidung auf mich zu kommt muss man auch erst mal verstehen. Sobald ich mich gegen die Chemo entscheide, komme ich raus aus der Onkologie, hab dann nur noch begrenzte Ansprüche, kann nicht mal meinen Rentenantrag mehr forcieren und muss weiterhin beim Jobcenter regelmässig eine Krankmeldung vorbeibringen. Deutschlands Bürokratie….

Danke fürs Lesen😊

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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