Zwei Jahre Dauerzustand…

Ja heute genau vor zwei Jahren hatte ich die erste grosse OP, wo mir der Tumor und 35cm Darm plus Blinddarm rausoperiert wurden und gleichzeitig die Stoma (künstlicher Darmausgang) angelegt. Und davor war ich in meinen Augen kerngesund. Ich war fit, konnte stundenlang wandern und sonstiges tun. Ich wusste was mir nach der OP bevorstand. Einschränkungen und diese verdammte Stoma, plus anschliessender halbjähriger Chemotherapie, aus der schon fast ein Jahr wurde.

Wochenlang vor der OP, meine Krebsdiagnose bekam ich Ende Februar, beschaftigte ich mich damit ein gutes Krankenhaus und glaubwürdige Arzte zu finden, da es hiess ich musste bis zu 5 Wochen im Krankenhaus bleiben. Dabei hat mir ein Tag schon gereicht. Nach mehreren Besuchen und Vorsprechen hab ich mich dann doch für das inzwischen veraltete Siloah entschieden. Dort waren die Ärzte und das Pflegeteam am freundlichsten und vertrauenswürdigsten. Das konnte ich bei dem Aufenthalt für die Diagnostik, zwei drei Wochen vorher schon testen und erfahren. Auch wurde mir dort aufgrund meiner Beschwerden und bekannten Panikattacken sogar ein Platz im Zweibettzimmer mit Nasszelle zugesprochen. Anders hätte ich die OP wohl auch nicht gemacht.

Für mich immer noch unvorstellbar. Man wird am Darm operiert, muss literweise Abführmittel trinken und Klo gibts nur aufm Flur. Schöne Bescherung wenn mans nicht rechtzeitig schafft, oder das Klo gerade besetzt ist. Ich finde das in der heutigen Zeit unwürdig. Da werden Millionen im gleichen Haus für ein Neubau und Parkhaus ausgegeben und im Altbestand wird nichts getan.

Nun ja wie schon gesagt hat das Team es wett gemacht, denn das war wirklich nett und zuvorkommend, aufmerksam.

Der Plan war: Den Tumor zu entfernen, die Stomaversorgung zu erlernen und nach Wundheilung in etwa sechs Wochen mit der Chemotherapie zu starten. Denn auch diese hat nur Sinn wenn sie eben in diesem Zeitfenster von sechs Wochen startet.

Mein Plan wich aber erheblich von deren ab. Denn für mich stand ausser Frage, dass ich mit Stoma die Chemo mache. Vlt. hätte ich mir wirklich einiges mit der Stoma erspart wie den Durchfall und die Kotzerei im gleichen Moment.

Jedoch war die Stoma und der tägliche Anblick auf diese Wunde (der Darm wird auf den Bauch genäht und das alleine schaut schon schrecklich aus) für die Psyche der Supergau.

Deswegen kam für mich nur die Lösung, Chemo nach der Stoma in Frage, worüber die Ärzte nur lächelten. Gleichzeitig war ihnen bewusst, dass ich es ernst meine. Sie gaben mir die geringe Hoffnung, dass die Wunde im Darm so schnell heilt, dass man mit der Rückverlegung vor der Chemo rechnen könnte.

Und das war mein Ziel dies zu erreichen. Und ich wollte aus dieser verdammten Klinik raus, denn es war so fürchterlich heiss in diesem Zimmer und die Matratzen bescheiden. Durchschlafen war zudem gar nicht möglich da mein Zimmergenosse quasi rund um die Uhr versorgt wurde.

Montags war meine über fünfstündige OP, Dienstag war ich noch platt und an Infusionen. Am Mittwoch bekam ich den ersten Besuch der Physiotherapeutin und damit der erste Gang aus dem Bett. Am Donnerstag war ich heimlich und alleine im ganzen Krankenhaus unterwegs. Und am Freitag bei der Visite sagre ich, dass ich morgen nach Hause will. Worüber hier die Ärzte auch wieder lächelten. Die eklige Stomaversorgung habe ich schnell erlernt. Und samstagfrüh wiederholte ich den Wunsch nach Hause zu wollen. Der diensthabende Arzt verneinte das, ich bestand darauf, packte meine Sachen und forderte die Entlassung auf eigene Verantwortung. Dies war vorerst auch unmöglich bis irgendwann der Oberarzt in Zivilklamotten kam, er hatte dienstfrei und machte sich nur wegen mir auf den Weg. Wir sprachen in Ruhe und auch ihm, der mich ja mit operiert hatte, kam zu Ohren, dass ich schon recht fit bin und mich selbst versorgen könne. So entliess er mich offiziell. Das Kämpfen hatte sich gelohnt, zum ersten Mal für mich. Eine Stunde später war ich zuhause und glücklich im eigenen Bett zu schlafen. Montag war ich dann schon wieder in der Stadt unterwegs zum Bilder machen.

Natürlich ging alles noch etwas langsam, aber alles war besser als in der Klinik zu liegen. Selbstgekochtes Essen schmeckt zudem besser und da ich ja den Beutel hatte konnte ich auch vieles ohne Probleme essen und trinken. Die wahren Probleme fingen erst an mit der Rückverlegung der Stoma, der ersten Klositzungen und der anschliessenden Chemo. Denn auch hier habe ich mein weiteres Ziel erreicht, Chemo erst nach der Stoma. Auch für die Ärzte ein toller Erfolg, denn ohne ihre gute Arbeit wäre das nicht so schnell gegangen.

Tja die OP ist nun zwei Jahre her, die zweite eben 5Wochen später. Ich hatte rein körperlich nie irgendwelche Probleme wegen den OP, psychisch schon eher. Und ebenso ist seit über zwei Jahren nichts anderes nehr in meinem Kopf als dieser Scheisskrebs und nach der ersten Chemorunde die Angst dass er wieder kommt. Ich musste unzählige Entscheidungen treffen, buchstäblich über Leben und Tod. Ja sogar heute früh hab ich wieder eine bekommen, die mich übers Wochenende begleiten wird. Dass sich das alles andere als gut entwickelt hat, wisst ihr inzwischen genauso wie ich.

Aber es hat sich tatsächlich auch einiges zum Guten gewendet seit der OP. Ich kann heute wirklich alles essen und trinken, von der Chemo mal abgesehen

Denn dies war schon lange vor der Diagnose nicht der Fall. Auch einige Besuche bei Fachärzten liessen stets nen Reizdarm und die obligatorischen Intoleranzen von Lebensmitteln zu. Irgendwann gewöhnt man sich dran, richtet sich ein, verzichtet auf dies und das. Und das bisschen Blut kommt sicherlich vin den Hämaoriden.Dafür gibzs ja Salben und für alles andere finden sich weitere Ausreden. Zu verdanken hab ich viel meiner Hausärztin, die mich irgendwann dann zur Darmspiegelung geschickt hatte.

Im Nachhinein habe ich versucht herauszufinden was der ausschlaggebende Grund für den Krebs sein konnte. Man kommt nicht drauf, aber ich konnte nachvollziehen, dass ich vier bis fünf Jahre zuvor schon die ersten Anzeichen hatte. Wäre es da entdeckt worden, wäre ich bestimmt auch inzwischen geheilt. Aber mit 45 ist man ja grundsätzlich gesund und im besten Alter.

Leute vergesst es! Wir haben eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dann nutzt es auch. Geht zu Ärzten denen ihr vertraut, auch ein Wechsel schadet nicht. Legt eure Scham und Scheu ab. Ihr habt bestimmt schon dämlichere Sachen getan, als sie für ne Darmspiegelung und ähnlichen Untersuchungen nötig sind.

So gesehn mache ich jetzt in etwa seit sechs Jahren damit rum, und dank meiner aktuellen Prognose kommt vlt noch eins dazu. Solange schränke ich mich irgendwie ein.Das mindert die Lebensqualität enorm. Und wenn die Diagnose Krebs erst mal da ist, verbrauchts dafür die meiste Energie und Gedanken.

Geht hin und bleibts gesund!! Ein gesundwerden gibts oft nicht mehr.

Aber lebt auch euer Leben, solange es geht und tut das was ihr wollt, auch wenn es mal aus dem Ruder läuft oder für Andere spinnert wirkt. Es ist euer Leben und wenn ihr es nicht schafft dazu zu stehen, schaffts ihr auch nicht rechtzeitig zum Arzt.

Also der Weg ist das Ziel..

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

2 Kommentare zu „Zwei Jahre Dauerzustand…

  1. Ach Thomas, dein Humor ist und bleibt einzigartig, dein Bild ist einfach Klasse. Du zauberst in deinen dunkelsten Tagen anderen Menschen ein Lächeln und ich finde es großartig und vorbildlich wie du mit dieser ganzen Scheiße umgehst. Ich wünsche mir für alle Menschen, die solch eine Erfahrung machen müssen, genau diese Kraft und auch die Art und Weise wie du denkst und lebst. Bleib stark mein Freund, Gott soll dich weiterhin stärken! 💞

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