Ziel(e) erreicht und nun?

Ja in der Tat war mein Geburtstag mein eigentliches und heimliches Ziel. Diesen wollte ich nach der letzten Diagnose im November und dem Kontroll-CT am Faschingsdienstag in weite Ferne gerückt, wenigstens noch erreichen. Mit 55 ist es rein statistisch gesehen dann für die Allgemeinheit doch besser als mit jungen 54 zu sterben.

Keiner hätte wirklich im Februar daran geglaubt, dieses Ziel erreichen zu können und am wenigsten ich. Ärzte sehen das grundsätzlich etwas anders, euphorischer vlt durch den Beruf. Der Radiologe hatte bei diesem CT wahrlich einen geknickten Eindruck gemacht, der auch mir nicht entgangen war und mir gleichzeitig auch das Gefühl gab, den richtigen Arzt zu haben. Ein Mensch mit ehrlicher Empathie ist immer was tolles und Ärzte mit dieser Eigenschaft findet man doch recht selten. Inzwischen weiss ich aber dass ich echt gute Ärzte habe die sich wortwörtlich ein Bein für mich ausreissen würden. Das hat nen tollen Nebeneffekt, denn ich kann mich auf sie verlassen und das erspart mir diese Unruhe des Misstrauens. Lässt mir dadurch mehr Zeit zum Leben.

Ich höre oft von anderen Betroffenen, die dieses Glück nicht haben. Komme dann ins Rätseln woran es liegen könnte und denke dann, ich rede mit Ärzten eben wie mit allen anderen Menschen auch, ich verurteile sie nicht wegen Fehleinschätzungen oder gebe ihnen gar die Schuld an meiner Situation. Überhaupt tue ich mir schwer jemanden die Schuld zu geben für das was mir rein schicksalsmässig übers Leben passiert ist. Für eigene rationale und alltägliche Entscheidungen bin grundsätzlich ich verantwortlich und schuldig. Da brauch ich keinen anderen zu. Klar auf den „blinden“ Radiologen der den neuen Tumor nicht rechtzeitig erkannt hat, bin ich nicht sonderlich gut zu sprechen, dennoch hoffe und wünsche ich mir, dass ich mal die Kraft und den Mut habe, ihm ne Möglichkeit zur Verteidigung zu geben. Ich bin Christ und als solcher gehört das Vergeben auch zu den Grundsätzen.

Doch auch hier habe ich meine Einschränkungen. Klar ich bin evangelich getauft und konfirmiert, das ist beides aber nicht aus meinem Willen enstanden, sondern haben wie wohl in den früheren Jahrzehnten die Entscheidung der Eltern und der Sippe, der Gemeinschaft. Es war ne andere Zeit damals. Konfirmation war für mich wohl eher ein angenehmes Muss, wegen der zu erwartenden Geschenke. Wirklicch geändert hat sich an meinem Glauben damals wohl eher nichts, nur war ich auch froh, dass dieser ewig langweilige Konfirmandenunterricht, mit einen Vorkriegspfarrer endlich zu Ende war. Und wir hatten in unserem Dorf sogar zwei Jahre Untericht. Ich bin auch heute der Meinung, dass mir diese Religionslehre nicht geschadet hat und sicher gab es Momente in meinem Leben wo ich mehr gebetet habe und dies sicherlich nicht aus materiellen Gründen. Gerade meine Kind und Jugendzeit war kein Zuckerschlecken und doch habe ich gerade in dieser Zeit wohl eher die Nähe zu diesem Alleskönner Gott gesucht und auch vertraut. Es gab ja auch sonst keinen. Als Pflegekinder haben wir, hier ziehe ich mal meinen 4 Jahre jungeren Bruder mit dazu, im wahrsten Sinne die Hölle schon auf Erden erlebt.Und hatten nur uns Beide, die wir doch in Gefangenschaft über viele Jahre lebten. Alle Menschen denen man näher vertraute erschlichen sich das Vertrauen mit der erwachsenen Gewieftheit und dem Wissen, dass ihnen eh nichts geschehen kann, denn unsere vom Jugendamt und der evangelischen Kirche & Diakonie zugewiesenen Pflegeeltern, die das nur dem Geld wegen taten, haben ja schon nach aussen kund getan, dass sie uns nicht vertrauten, denn der leibliche Vater war schon ein Nichtsnutz und sie sind in der Maumau gross geworden. Also vorverurteilt als Menschen zweiter oderdritter Klasse. Man müsste aufpassen dass man von denen nicht beraubt und später wohl geschlagen werde. Aber klar das Geld können wir ja gut gebrauchen und im Dorf und in der Kirche sich als Gutmenschen hinstellen, die armen und verdeckten Waisenkinder ein Zuhause geben. Willkommen im Spiessertum der 70er….

Klar haben dann die Menschen denen wir beide Brüder vertrauten, das schamlos ausgenutzt da ihnen ja wie oben schon erwähnt nicht passieren konnte, denn egal was die Jungs sagen würden, es wurde eh as unwahr gedeutet. Und so standen psychische und physische Gewalt und Missbrauch beinahe auf der Tagesordnungen und blieben ein Andenken für immer. Und wenn man dann vom lieben Gott auch noch entäuscht wurde, denn dieser half auch nicht, dann verliert man das Vertrauen und lebt in bitterer Einsamkeit. Zu der Kirche im Allgemeinen habe ich ein differenziertes Verhältnis und sehe es rein rational gesehen, als einzig wirklichen Vorteil, dass diese Organisationen immerhin als Einzige an, die es schafften die teilweise einmaligen Gebäude und Sehenswürdigkeiten über jahrtausende erhalten haben.Der Staat an sich hätte als Besitzer sicherlich alles verramscht und Parkplätze draus gemacht. Ansonsten ists mir wurscht was sie machen. Der liebe Gott ist sicherlich ein solcher für diejenigen die ihn als solchen sehen und erleben.Und ich nehme es keinem Übel wenn manche ihn und dessen Religion als Lebenssinn oder Aufgabe sehen und erleben. Ich hatte meine gute und schlechte Zeiten mit ihm und mache ihn auch für meine jetzige Situation nicht verantwortlich, käme aber auch nicht auf die Idee ihn jetzt um Hilfe zu bitten, denn da fehlt mir das Vertrauen ihn ihn. Ich hatte schon schlechtere Zeiten als jetzt und er war nicht da. Hätte er den Charakter den ich mir von jedem sterblichen Menschen wünsche, dann hätte er in den letzten Jahren mal was Gutes für mich tun können und sollen, damit ich ihm wieder vertrauen könnte. Er hatte seine Chance.

Nun aber wieder mal zurück zu den Anfängen des Beitrages heute.Ziel(e) erreicht, was nun?

Also meinen Geburtstag de habe ich gestern erreicht. Es war in den letzten Wochen teils eine heftige Aufgabe dieses Ziel nicht aufzugeben auch wenn es nur ein heimliches war, ich wäre keinem Rechenschaft schuldig gewesen oder geblieben. Aber es war der Respekt an mich selbst und die Selbstachtung.Gerade nach den Chemos ist jeder Tag ein Kampf zwischen Leben unt Tod. Und oftmals ist das Aufgeben leichter gewesen. Doch da bestätigt sich dieser allgemeine Satz „Ohne Hoffnung stirbt man“ Nun war der Geburtstag ja so ziemlich sicher in der Tasche und so kam der schon zuvor ausgeprägtere Wunsch meine beste Freundin nochmal zu treffen, die noch in der Quarantäne war als die treibende Kraft. Auch dieser Wunsch ging dann glücklicherweise und besser als erwartet in Erfüllung. Schon Stunden nach dem Treffen spürte ich so ne Befreiung innerlich wie so ne positive Diagnose. Natürlich ist der Wunsch und Plan noch einiges miteinander an Zeit zu verbringen da, aber es steht momentan nichts dagegen, was das verhindern könnte. Ich muss da jetzt nicht den ganzen Tag darauf hoffen und Angst haben, das alleine erleichtert schon.

Dass nun diese Ziele so zeitnah beieinander lagen und sich erfüllten war dennoch eher rein zufällig, aber durchaus als positiv zu bewerten.

Geburtstage zu feiern, ist schon seit Jahren nicht mein Ding, aber einige meiner Freunde und Bekannte meinten, dass ich erst recht diesen feiern sollte. Nuja vlt ists ja mein Letzter? Ich bin an meinen Geburtstagen zumindest für ein paar Stunden ganz gerne mal alleine für mich und in diesem Jahr stand auch das auf der to-do Liste. Und dass es was mit dem Motorrad sein sollte ist bestimmt auch für euch klar. Gerne wäre ich nochmal ne grössere Tour gefahren mit Übernachtung im Hotel.Aber gibt ja noch keine die für Touristen offen haben und vom finanziellen wäre es diesen Monat auch etwas eng geworden.

Schon längere Zeit stand auf meinem Tourenplan eine Fahrt in die Pfalz. Nun gut das ist wahrlich keine Weltreise, da es nicht all zu weit bis dorthin ist, aber es gab Orte die ich besuchen wollte, in denen meine Ahnen geboren wurden und somit meine Wurzeln liegen. Bei mir kommt jedoch dazu, dass mich die letze Chemo die bald drei Wochen rum ist immer noch teilweise in Beschlag nimmt und ich zwar 100te Kilometer fahren kann, aber mit etwas Glück gerade mal 2km laufen kann. Mehrere Anläufe in der letzten Woche sind gescheitert, weil ich einfach nicht mal fit fürs fahren war. Ausserdem soll ich während der Chemo direkte Sonne vermeiden, als käme da auch nur frühes Losfahren in Frage.

Und glücklicherweise hat gestern alles noch gepasst. In der Zwischenzeit hatte ich die Tour etwas detailiert und ich wollte endlich auch mal auf den Donnersberg, den ich zwar schon oft aus der Ferne sah, aber noch nie aus der Nähe und schon mal gar nicht oben drauf war. Es war ein verwegener Plan, denn ich wusste dass ich mein eigentliches Ziel nur erwandern konnte und zudem noch einiges an Höhenmetern zu erklimmen hatte. Doch der Wille war stark, der Tag lang und ich hatte viel Zeit dieses Ziel zu erreichen.

und so ging es dann los, morgens um sieben Uhr, in der Kühle des Morgens liegt mir das eh besser als in brüllender Hitze, über die Autobahn bis nach Neustadt an der Weinstrasse, da ich von dort aus dann kreuz und quer übers Land wollte mit vielen Kurven, eigentlich zu vielen, da ich kein wirklicher Kurvenräuber bin und mit der VFR auch nicht das beste Fahrzeuge dafür habe. Sie ist einfach etwas zu lang und auch etwas zu stark und Kurven besonders eng wenn man sie nicht kennt:-) Aber natürlich wollte ich die tolle Gegend in der Pfalz entdecken, gerade ich als gebürtiger Pfälzer fühle mich da immer wieder unbewusst hingezogen. Dass mich einige Burgen auf der Streck erwarteten war mir klar und es war längst nicht mehr so trostlos wie vor einigen Wochen bei dem kompletten Lockdown wegen Corona. Traurig fand ich einige Dörfer und deren Zustand, teilweise wirkten sie wie verlassene Orte und auffällig auch die tatsächlich leeren Firmengebäude. Ich denke so an reiner Lostplace-Fotografie hätte ich da genug Locations.

und es gibt auch recht viele kleine Seen, Teiche, Bäche und Wald. Immerhin gehört der Pfälzer Wald zu den waldreichsten Landschaften in Deutschland. Doch mein Hauptziel der Donnersberg liegt eigentlich am Rande des Pfälzer Waldes.

und ein anderes Ziel waren die Orte zu besuchen, in denen meine Ahnen geboren sind oder gelebt und gearbeitet haben. Denn viele väterlicherseits kamen direkt aus der Pfalz und waren oft in der Textilverarbeitung und Tabakindustrie tätig, selbst Gaststätten hatten sie schon um Anno1700. Die Pfalz war zu dieser Zeit ein wahres Paradies für Tabakpflanzen. Zu dieser Zeit stimmt nicht wirklich, denn der Ursprung geht bis ins 15 Jahrhundert zurück, soweit konnte ich gar meine Familie zum Teil zu ordnen. Hier war der Hauptort Sembach, wo ich heute aber eher durch einen Zufall nicht war. Hatte das ursprünglich auf dem Rückweg besuchen wollen, doch entschied mich dann später für ne andere Rücktour.

ja das war auch schon in einem Dorf meiner Ahnen, hier Sippersfeld, ist eigentlich ein schönes Dorf mittlerweile mit vielen Brunnen und landschaftlich vorm oder hinterm Pfälzer Wald. Wie mag es da vor zweihundert Jahren ausgesehen haben als meine URurgrosseltern lebten?

Mich interessiert so etwas immer wieder. Haben sie an diesem Brunnen auch schon gespielt oder Wasser geholt? Waren sie auch sonntags immer in dieser Kirche? Und wie waren sie unterwegs? Die meiste Zeit ja doch wohl eher zu Fuss. War die Strasse schon die Gleiche wie jetzt und hatten sie ihre Abkürzungen? Gerade auf dem Land spürt man die Vergangenheit eher als in der Stadt

und hier ist mein eigentliches Tagesziel schon zu sehen, der Donnersberg, höchste Erhebung in der Pfalz

Und dann war ich recht schnell in Börrstadt, der Geburtsort meiner Urgrossmutter im Jahre 1885. Sie war ein uneheliches Kind, der Vater der Bauer, die Mutter die Magd. Gerne hätte ich mehr über diese Liason gewusst, denn in der Geburtsurkunde ist der Bauer als Vater eingetragen. Das war keineswegs normal, auch da stand dann schon immer Vater unbekannt. Natürlich war nichts rauszubekommen in den Akten. Allerdings waren es auch immer schwierige Jahre und Umzüge oder Wanderungen wegen neuer Arbeit standen auf der Tagesordnung, das erinnert mich an die Lebenssituationen der heutigen Fleischindustrie-Mitarbeiter oder Season-Erntehelfer .

Meine Urgrossmutter Elisabetha war immer eine Frau die ich bewundert habe. Wie gesagt unehelich geboren als Magdtochter hatte sie bestimmt schon in der Kindheit kein leichtes Leben, oder vielleicht doch, denn es gibt Bilder von ihr wo sie 18 Jahre alt wurde. Auch von ihrem Vater dem Bauern gabs noch ältere Fotos, was darauf deuten könnte, dass sie doch im Kreise des reichen Bauers aufgewachsen ist. Sie war dann recht jung verheiratet. Ihr Mann starb schon 1920 durch Suizid. Sie brachte dann alleine 9 oder 10 Kinder durch. Und kümmerte sich dann anschliessend auch noch um die Kinder (meinen Vater) ihrer Tochter die schon früh nach Frankreich auswanderte und ihr Kind hier liess. Dann heiratet sie ein zweites Mal, damit sie im Alter nicht allein war, jedoch überlebte sie ihren Mann auch noch. Ging dann in ein Altersheim im nahen Ramsen, wo sie quirlig und lustig ihren Lebensabend verbrachte und gast 100 wurde. Das Personal erinnerte sich auch fast 30 Jahre nach ihrem Tod noch an sie. So viele Schicksale, die ganzen kriege mit erlebt, auch die Ausbombung Worms im zweiten Weltkrieg. Mit ihr verbindet mich mehr als mit meiner eigenen Mutter die ich ja auch nicht wirklich lange hatte und kannte.

und dann erwartet mich doch noch eine Überraschung in diesem kleinen Dorf Börrstadt. Leider hatte ich keine Unterlagen von der Ahnenforschung mitgenommen, da ich die vor Kurzem in Anbetracht meiner kurzen Verweildauer hier auf Erden, meiner Nichte gebracht die ich als würdige Erbin für diese Dinge sehe, da sie sich selbst schon mit der Ahnenforschung auseinander gesetzt hat, aber auch ihr Kind nun der jüngste Ast im Stammbaum inne hat. Und Internet gab es dort nicht so dass ich nicht auf meine Cloud zugreifen konnte und so mussten mir meine vagen Erinnerungen helfen um auf einige Spuren in ihrem Geburtsort zu stossen. War es diese Gasse oder doch diese? Alles hört sich dann auf einmal gleich an. Dann traf ich einen Mann der die Strasse kehrte. Auf meine Frage ob er Einheimischer sei, betätigte er mir dies und ich stellte mein Motorrad auf die Seite. Ich erzählte etwas von mir und fragte ob es heute vlt noch ne Familie mit dem Namen im Ort gibt? Das musste er verneinen, bis ihm auf einmal etwas einfiel. Es gab mal einen Bauern hier, also einen Schafbauer der so hiess, das hatte irgendwo mal gelesen, weil er einen Kosenamen im Ort hatte. Es gab es ja früher oft, dass die Leute auch nen Ortsnamen hatten. Doch sein Ortsnamen bedeutet etwas wie Schlitzohr in der Art. Und interessanterweise konnte er mir genau sagen wo sein Hof damals war, denn dieser Schafbauer war nicht all zu lange dort und seine Mägde waren fast immer aus dem gleichen Ort. Leider steht das alte Gebäude schon längst nicht mehr, aber er ist sich sicher dass man da etwas im Archiv finden könnte. Das war dann doch ne nette nicht erwartete Nachricht:-)

da wo das weisse Haus nun steht, stand einst der Hof meines UurGrossvater

Ich habe das während meiner mehrjährigen und richtig teuren Ahnen und Familienforschung immer wieder festgestellt, dass die Zeitzeugen die besten Quellen sind. Aus diesem Grund machte ich mir dann oft die Mühe die Dorfältesten zu finden und diese waren allesamt froh etwas von früher zu erzählen.

Nun war der Donnersberg, genauer die Gemeinde Dannenfels gerade mal noch 7km entfernt, also nen Katzensprung, Kurvig wie fast überall, aber landschaftlich schön und hügelig und hunderte Motorradfahrer dies es immer wieder schaffen mich zu verwundern, wie man mit 8 oder 10 Motorräder gerade mal mit nem Abstand zwischen fünf und zehn Metern hintereinander zu fahren. Da habe ich doch nur zu achte drauf, dass ich dem anderen nicht hinten auf fahre. Okay lassen wir das Debattieren. Ich bin dafür vlt einfach zu spiessig und ängstlich, oder schlichtweg zu blöd. Wenn ich so ne Truppe im Spiegel sehe, fahre ich entweder beim nächsten Weg elegant nach rechts ab, oder bleibe einfach stehen und winke sie vorbei.

Da war ich nun in Dannenfels am Donnersberg. Mir war bekannt dass es auf dem Donnersberg unglaublich viele Sehenswürdigkeiten an einem recht engen Platz zu sehen gibt. Man kann sich tatsächlich nen ganzen Tag dort oben mit Wanderungen von Ort zu Ort hangeln mit meistens tollen Aus und Fernsichten. Selbst am Fuss gibts schon das Keltendorf, was aber coronabedingt noch zu hat. Dannenfels das Ort zu Allem liegt etwa 400 Meter hoch und sind im Vergleich zum Schwarzwald natürlich kleine Hügel. Aber Höhenmeter bleiben gleich.. Der Donnersberg selbst ist etwa 685m hoch an der höchsten Stelle. Mein Ziel war der Adlerbogen mit etwa 545m. Also wahrlich keine nichtmachbaren Dinge, aber….

nicht wenn man noch mit den Chemonachwirkungen zu schaffen hat. Doch ich hatte mir vorgenommen das heute zumindest bis dahin zu schaffen, ein oder mehrere Ziele zusätzlich währen natürlich optimal. Dort war ich gegen 9h30h, also noch zu angenehmen Temperatur. Auch war die Luft toll, frisch und keineswegs schwül. Also idealerweise perfekt zum Wandern. Nachdem ich nen passenden Parkplatz, so legal wie möglich gefunden habe werde ich immer wieder mal mit dem gleichen Problem konfrontiert. Oft sind es Waldparkplätze, leicht geschottert, wenns geregnet hat versinkt das Motorrad zusehends auf dem Seitenständer, durch die sehr kleine Ständfläche, was sich auch selten mit dem Hauptständer ändert. In diesem Fall heute kam es hinzu dass alle Parkplätze an ner Steigung, oder eben im Gefälle waren. So bleib mir jetzt auch nichts anderes übrig, als es irgendwo auf festem Unterboden zu stellen, was mich noch ein paar Höhenmeter kostete.. Anschliessend Helm und Handschuhe am Mopped verstaut. Kamera raus und was zum Trinken. Den Weg habe ich mir einge Male im Internet angeschaut ebenso auf den verschiedenen Bildttafeln vor Ort. Aber wie bei so vielen anderen Wanderwegen auch, um die nächste Ecke rum ist schon alles anders. Markierungen sind selten und hier doch noch ausnahmsweise vorbildlich. Doch alle gehören zu bestimmten vorgeschlagenen Rundtouren. Wenn man mittendrin irgendwo einsteigt, passt selten etwas. Irgendwo fand ich dann ein Schild bis zum Adlerbogen gute 3 km. Oh weh, das sind Dimensionen die ich auf gerader Strecke kaum ohne Schmerzen durchstehe. Natürlich Schmerzmittel hatte ich dabei für den Ernstfall, was aber dann auf ne Zwangspause von einige Stunden verweisst in dem ich kein Motorrad fahren kann. So drosselte ich mein Tempo gleich von Anfang an. Bis mich die ersten Wanderer hechelnd überholten. Da kam dann schon der erste Gedanke, nee komm hör auf, ich würde mich ärgern wenn ich kurz oben vorm Ziel aufhören müsste. Es war ein ständiger Kampf mit dem inneren Schweinehund. Dann bekam ich einen Anruf, wo mir jemand zum Geburtstag gratulieren wollte, war ne willkommene Abwechslung, aber erstens bekam ich von der Stimme kaum ein Wort raus und erst recht nicht vom Atmen. Die Stimme ist seit der vorletzten Chemo am Arsch. Ich musste das Gespräch kurz halten um weiter zu kommen. Und so machte ich alle zehn Meter ne Pause, später dann alle 5 und noch weniger auf den letzten Metern. Selten wurde ich so oft überholt wie gestern, aber alle hechelten irgendwie und ich habe echt schon andere Touren gegangen, gerade im letzten Jahr vom Hohlohturm, zur Teufelsmühle und anschliessend noch nach Bad Herrenalb. Die Schmerzen hielten sich in der Waage und mittlerweile komme ich mit der Taktik autogenes Training hier und da mal durch gewisse Tiefen. Und der Rest machte auch die Psyche wir haben zehn Uhr und ich habe den ganzen Tag Zeit bis ich oben bin. Und um manche Ecke kamen dann die ersten Blicke ins Tal hinunter. Das heiterte wieder auf.


Nachdem ich dann nach sehr langer Zeit, fast auf allen Vieren da oben endlich angekommen bin, ich möchte gar nicht wissen was die Leute so gedacht haben, als sie mich gesehen haben war ich natürlich happy und geschafft, aber die Aussicht entlohnt für Alles. Zwar war die Fernsicht nicht all zu gut, da man manchmal wohl bis Frankfurt schauen kann, aber mir hat es genügt. Der Abstieg war um einges leichter, dennoch nicht ganz ungefährlich, weil man ja immer noch schlapp ist und es einiges an Geröll gab. Gerne hätte ich mir noch einige andere Sehenswürdigkeiten angeschaut, auch weil ich schon recht weit oben war, doch ich entschied mich für den Abstieg. Und wer weiss ob ich es nach der Chemo nicht doch mal hoch schaffe. Denn gegen die weitere Chemo habe ich mich gestern auch entschieden und immerhin war das ein Hauptgrund diesen Tag für mich und mit mir alleine zu verbringen. Um über meine Zukunft nach zu denken. Vielleicht werde es einige nicht verstehen, aber sorry dann kann ich euch nicht helfen. Ich treffe Entscheidungen stets mit klarem Kopf. Und natürlich ist es mein Leben. Ich habe bestimmte Grundsätze die ja auch euch bekannt sind, wozu gehört dass ich die nächste Chemo immer erst dann anfange wenn ich mein altes Gewicht wieder drauf bekomme. Und das ist nun der Fall, dass mir immer noch 4kg fehlen, obwohl ich gerade das Gefühl hatte ich habe normal gegessen, ja sogar mehr und früher als sonst. Aber so wie es ausschaut nimmt der Körper nichts mehr auf oder er verfeuert mehr. Gesünder und willensstärker als ich wird sich kaum einer finden. Aber hier sieht man was die Chemo anrichtet. Ich habe jetzt 78kg, bei der Chemo bin ich auf etwa 81kg, jetzt kriege ichs nicht mehr hin, dann kommt die nächste und wieder 2-3kg weniger? Nein dann komme ich da hin wo ich nicht wollte. Auch weiss ich ja jetzt dass ich in ner palliativen Chemo bin, also diese begleite mich bis zum Lebensende. Letztendlich ist es nicht anders als wenn ich an Maschinen hängen würde, sobald man die abstellt ists auch bald vorbei. Und die grosse Angst vor der Gefahr der Dialyse bleibt. Das wäre es mir nicht wert. Ihr seht anhand dieser Tour was mein Leben ist. Ich will raus, ich leibe das Leben an der frischen Luft unter wunderbaren Menschen und nicht irgendwo im Krankenbett.

Klar für manche ist das beinahe Jammern auf hohem Niveau. Aber soory,- ich wünsche keinem dass er das mal annähernd mit macht wie ich nun seit zwei Jahren, aber wenn es jemand nicht versteht wie man aufgeben kann, dem wünsche ich es mal zwei Stunden, denn dann sieht man das auch anders.

Gesundheit ist wahrlich das Wichtigste auf der Welt von der obligatorischen Liebe mal abgesehen. Für mich kommt aber auch noch ne gewisse Art von Selbstbestimmung dazu. Selbst zu entscheiden. Das ist auch mein Wunsch für meine Zukunft, dass ich bis auf die letzte Minute selbst entscheiden kann was ich tue. Es spielt für mich keine Rolle ob das morgen ist oder in einem Jahr. Ich habe alle meine wichtigen Ziele erreicht, ich habe wunderbare Freunde und Menschen um mich. Mein Leben ist trotz schwerere Krankheit dennoch um einiges besser als bei manch Anderen. Deswegen werde ich vieles dafür tun, dass das so bleibt. Und dich freue mich natürlich über die Menschen die meine Einstellung dazu akzeptieren, denn das erwarte ich von respektvollen Menschen. Es ist auch gut möglich dass ich kurz vorm Ende umschwenke, vor Angst oder weil ich vielleicht grundsätzlich ne andere Einstellung dazu haben werde. Aber auch dann ist es meine Entscheidung. Ich bin keinem Rechenschaft schuldig.

Ich wollte mit diesem Blog auch zeigen zu was der Mensch alles fähig ist, wie leidensfähig er auch ist, aber auch was man als Todkranker erreichen kann, wenn man es will. Wenn man es nicht will, wird es sowieso nichts. Bleibts gesund!

Pfrimmtalviadukt Marnheim

Auf dem Rückweg bin ich an diesem Haus und auf dieser Strasse gefahren, die in unserer Familie alles geändert. Aber man sieht hier deutlich wie nahe Glück und Unglück manchmal zusammen leben. Wie paradox das Leben manchmal ist. In diesem Haus ist mein Bruder geboren, sicherlich mit das grösste Glück für Mutter Vater und Geschwister, ich selbst kann mich da kaum mehr dran erinneren, da ich gerade mal 4 Jahre alt war. Zehn Tage nach der Geburt, war nebenan keine 300 Meter weiter auf der Strasse, also in Sichtweite das Glück vorbei. Da starb unsere Mutter und Schwester und in der Folge wurde die ganze Familie zerrissen.

Ich war mittlerweile öfter an diesen Orten, habe mich auch mal genau mit befasst, also alles sachlich bewertet. Und doch wenn ich wie heute vor dem Haus stehe und beim letzten Mal war ich auch drin, dann spürt man etwas unheimliches Bedrohendes, aber auch gleichzeitig etwas Beruhigendes. Irgendwas ist da immer noch in der Luft, nach 50 Jahren! Und wer weiss ob an der Unfallstelle im Strassengraben nicht noch irgendetwas liegt von uns von damals, als das Leben eine andere Richtung bekam..

das wusste ich auch nicht, obwohl ich diese Brücke schon ewig kenne und auch schon einige Male drüber gefahren bin. Sie ist eine der längsten Autobahnbrücken in Deutschland, übers Primmtal, Pfeddersheim bei Worms

Danke liebes Musikstudio Schlaile für dieses tolle Präsent:-)

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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