Da helfen keine Tropfen..

….bei Bohnen in die Ohren. Das war doch mal ein Schlagerhit irgendwann im letzten Jahrhundert. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich auch mal in eine solche Lage komme, obwohl wenn man es genau nimmt hatten wir sicherlich alle schon mal während unseres Lebens den Wunsch dass es einfach ein paar Tropfen gibt für jegliche anstehende Probleme. Nicht gerade wenige sind mit dieser Hoffnung in irgendeine Abhängigkeit gerutscht und wahrlich versackt und wären wiederum froh wenn dann einfach wiedermals Tropfen helfen würden um aus dieser Hölle zu kommen, wenn sie es denn selbst noch als solche erkennen.

Und ich habe diese wundersamen und teilweise wunderbare Tropfen, die ich nun seit zig Monaten nehme um mich von den Schmerzen zu befreien. Heilfroh und überaus dankbar bin ich dann vor allem den Ärzten die sie mir im vollsten Vertrauen verschreiben und sie nicht missbräuchlich anwende. Nun gut ich weiss auch diese Dankarkeit zu schätzen und behaupte dass ich medizinisch aufgeklärt bin um zu wissen was ein Missbrauch derer oder gar ne Abhängigkeit bewirken

Doch es gibt eben auch Tage wo ich komplett ohne sie auskomme, an denen ich eben keine Schmerzen habe. Diese Tage sind inzwischen eigentlich die Sonntage, das hat sich so eingeschlichen, weil ich es vermeide mich unter die WochendsIdioten der Rennfahrer, egal ob zwei oder vierrädrig zu mischen, da es noch nie mein Wunsch war auf der Strasse zu sterben. Das wäre mir beinahe als vierjähriger passiert, auch hier gabs solche Idioten schon, meine Mutter und Schwester hatten an diesem Tag nicht das Glück zu überleben. Dies gestattete man mir und meinem 10Tage alten Bruder. Wir beide und letztendlich auch all den anderen Geschwister hat man dirs dann aufgebürdet das Beste daraus zu machen, ohne die heute so selbstverständlichen Seelsorgeeinheiten. Ich weiss dass nicht alle unsere Geschwister damit klarkamen, selbst heute noch nach 50 Jahren stellen so Einige, mich eingeschlossen ihr Leben in Frage. Nun damit schweife ich arg vom Thema ab und doch ist genau das vlt auch der Grund weshalb ich das jetzt schreibe.

Muttertag, sicherlich ein toller und gerechtfertigter Tag für all die jenigen die noch eine Mutter haben. Für die Anderen deren Mutter nicht mehr da ist, schauts sicherlich anders aus, dennoch beneide ich sie um ihre Erinnerungen um Dinge die sie mit ihr erlebt haben. Mit vier Jahren sind da nicht wirklich viele da und meine lette dazu ist nicht gerade schön, da es quasi ihr Schrei bei dem Unfall war. Damit der nie in Vergessenheit geriet haben manche Alpträume gesorgt. Nun ja dennoch ist es lange her und es blieb ja nicht das einzige Unglück über 50 Jahre mit denen man zu kämpfen hat. Aber sicherlich gibts über die Jahre hinweg mehr Gedenktage und Momente für die verlorenen Eltern. Und dazu gehört neben Geburts und Todestage eben auch der Muttertag. Und wenn ich ehrlich bin hat mich das auch nicht jedes Jahr so belastet wie in den letzten Jahren und besonders heute.

Eigentlich ein Sonntag wie jeder Andere. Einen den ich inzwischen turnusmäßig und in Vorbereitung auf die kommende Chemo in wenigen Tagen lieber zu Hause und meistens im Bett verbringe. Eben auch aus dem schon genannten Grund mich zu schonen, mal keine Schmerzen zu haben, denn diese entstehen bei mir derzeit noch zumeist beim Laufen. Auch ist es vor der Chemo die wir aus organisatorischen Gründen bei mir fest auf den Dienstag gelegt haben (das beruht darauf weil ich bei der ersten Chemotherapie vor bald 2 Jahren nicht selten in Panik geraten bin und ich montags einfach nicht hinkonnte. Da diese Chemie aber nur ganz kurz haltbar ist, ist ne Absage so kurzfristig mit immens hohen Kosten bis zu 1200€ verbunden, deswegen als nun der Dienstag, damit ich notfalls noch am Montag absagen kann) Also dieser Sonntag vor der Chemo ist dann sozusagen auch mein Fresstag um das Gewicht wieder draufzubekommen und dem Wissen, dass ich jetzt sowieso 8-10 Tage kaum was essen kann noch will.

Aber solche stumpfsinnigen Sonntage vollgestopft mit Zwangsesserei un fern sehn von jeglichem Mist und wenns echt gut läuft noch mit etwas aufräumen und anderen Haushaltsaktivitäten machen mich nicht selten auch depri. Erst recht wenn ich mir wie heute auch noch gleich 2 Filme von und mit Krebskranken, wenn auch nur nebenbei reinziehe.

All das triggert irgendwas im Kopf und da hätte ich dann gerne die oben erwähnten Tropfen oder 100prozentigen Alkohol der mich wegbeamt. Nun gut mit nur noch einer Niere und dem Bewusstsein dass ich Gefahr eingehe schneller an der Dialyse zu hängen verzichte ich dann schon gerne auf den Alkohol, zumal es mir absolut nicht schmeckt.

Aber der Ruf nach den Tropfen hier Tramal oder Tilidin kommt im Laufe des Tages auch dann, selbst wenn ich absolut schmerzfrei bin, denn irgendwann werde ich unruhig und angstlich und letztlich weinerlich wie es die Wiener so schön sagen. Das ist dann eben doch diese körperliche Abhängigkeit wenn man das Zeugs über Monate hinweg eigentlich täglich einnimmt. Noch zu Anfang des Jahres habe ich immer fast eine Woche garnichts eingenommen, notfalls mal ne 800er Ibu oder auch zwei um eben dieser körperlichen Abhängigkeit keine Raum zu schenken. Leider wurden seitdem die Schmerzen ja stärker. Und ich bin glücklich darüber dass das Wunderding Körper und Psyche so wunderbar zusammenarbeiten und mich ebenfalls seit Monaten, ausser Samstagnacht, relativ pünktlich gegen 2h3o nachts durch die Schmerzen wecken, so dass ich dann meine Dosis Tramal einnehmen kann.Danach schlafe ich dann wunderbar durch dessen Sedierung wieder ein. Damit ich am Morgen fit bin und ich auch überhaupt Motorradfahren kann. Denn da ist auch nichts mehr spürbar und messbar vorhanden. Habe ich nämlich extra mal bluttechnisch untersuchen lassen. Doch Tramal und Tilidin wirken speziell auf die Schmerzrezeptoren, so kurz umschrieben. Allerdings ist das Tilidin selbst mir ne Nummer zu hart und dahet nehme ich das auch nur an Sonntagen und der Chemowoche wo ich eh nicht fahren werde. Denn nach Einnahme dieser Tropfen ist man echt ausgeknockt. Und hundemüde.

So gesehen dann tatsächlich die Wundertropfen die ein jeder in mancher Situation gerne hätte, aber auch hier tickt bei mir immer das Damokleschwert “ akutes Nierenversagen “ im Kopf. Das wäre das Ende meiner Selbstbestimmung, denn zum schnellen Sterben denkbar ungeeignet, Koma jedoch ziemlich sicher und damit langer Krankenhausaufenthalt und in meiner Situation vieleicht für immer. Wie ihr wisst, will ich so etwas absolut vermeiden.

Also wie ihr seht besteht mein Leben jetzt schon mehr aus Angst als an Lebensfreude. Angst vorm Sterben rangiert dennoch an unterster Stelle. Aber alles Andere weiter oben und wenn ich dann so einen dummen Film ansehe mit Krebskranken und deren letzter Weg, dann wird mir schlagartig bewusst, weil sich doch vieles bei ihnen ähnelt, dass es mir nicht viel anders gehen wird.

Ich bin wunderbar bis hier gekommen. Auch der Lichtblick dass gemäss dem letzten CT der Tumor kleiner geworden ist und das ein Zeichen ist, dass die Chemo wirken könnte, macht mich nicht wirklich glücklicher. Denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wenn dieser Spruch zumeist eher positiv belegt ist, ists bei mir eher nicht so. Denn ich merke ja selbst am Ehesten wie es in mir aussieht, alleine dass die Schmerzen ansteigen, ich immer mehr Probleme habe beim Trepoenlaufen und um auf das Motorrad zu kommen. Es gibt zu dem noch mehr Erkenntnisse auf die ich hier nicht alle eingehen möchte. Es ist nun mal Fakt, dass da noch etwas auf mich zukommt, dem ich vlt nicht so gewachsen bin wie ich mir es erhofft habe.

Und auch die gut gemeinten Sätze – du schaffst das-, etc. Ja was eigentlich? Es ist Quatsch sich die Augen zu zu halten. Es hilft weder mir noch euch.

Meine beste Freundin ist wieder zurück in Deutschland, aber dank Corona natürlich noch in Quarantäne, aber ich konnte sie schon sehen😊 ja das war ein wichtiger Punkt auf meiner Bucketlist und eigentlich auch der letzte. Ich wünsche mir noch ein paar sorgenfreien und verrückte Stunden mit ihr. Aber dann möchte ich auch irgendwann loslassen um gehen zu können, solange ich es noch für würdig und erträglich empfinde.

Den nächsten Muttertag und deren Wiederholung möchte ich eigentlich nicht mehr und schon mal gar nicht im Rollstuhl oder Krankenhaus verbringen.

Auch wenn ich nach aussenhin für viele vermittele, mich kann nichts umhauen und ich stehe bis zum letzten Atemzug so lebensfroh und kämpfend da, so ist es nicht, innerlich liege ich schon längst flach und überlege Stund um Stund ob ich die nächste Chemo überhaupt noch machen soll. Nuja bis morgen um.12h hab ich noch Zeit dass zu entscheiden…………

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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