Die letzte grössere Tour….

So, das war wohl fürs erste meine letzte größere Tour, da am Dienstag eh wieder Chemo ist und egal wie sie ausgeht, danach sich sicherlich etwas ändern wird, denn jede Chemo macht einem natürlich schwächer:-(

Gestern habe ich 540km gefahren und leider fehlten mir zum Abend noch 100 km um die 9000km voll zu machen, die ich seit 16. Januar gefahren bin.
Das ist ne Leistung auf die ich stolz bin, bedenkt man wie im Januar das Wetter noch war. Ich habe viel erlebt auf diesen Touren, hab fast alle meine angesteckten Ziele erreicht.
Leider hat Corona mir teils auch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

So konnte ich z.B. nicht nach Südfrankreich.
Dementsprechend bin ich froh, dass ich tatsächlich im Januar angefangen habe. Allerdings hätte ich nicht erwartet, dass ich überhaupt bis in den April hinein fahren konnte. So gesehen bin ich mir sicher, dass mich das Motorradfahren auch am Leben gehalten hat und einige Lebensgeister erweckt hat.
Gerade in der Coronakrise wäre ich zu Hause eingegangen ohne die Möglichkeit mal weg fahren zu können.
Die HONDA hat mich wie erwartet nicht ein einziges Mal im Stich gelassen und bis auf den kleinen aber leider teuren Ausrutscher im Hagelschauer, und zweimaliges Umkippen der Maschine am Anfang kam es zu keinerlei Schäden.
Brenzlige Situation gab es eigentlich keine Erwähnenswerte, bis auf ein paar Autobahnfahrten mit plötzlichem Schneeregen, Hagelschauern oder Sturmböen. Aber nach so vielen Kilometer muss ich jetzt mal etwas mehr investieren, neue Reifen werden langsam nötig, Bremsen und so kleiner Dinge, die ich zumindest fast alles selbst erledigen kann, solange mich die Chemo nicht zu sehr belastet.

Muss aber auch, selbst wenn ich mir es da mit einigen verhagele, vielen Motorradfahrern ein recht mieses Verhalten bescheinigen, es wundert mich absolut nicht, dass so viele verunglücken und hier im Nachhinein die Autofahrer die bösen sind.
Wenn man mit Voraussicht fährt gibt’s nichts sicheres als Motoradfahren, denn der Vorteil ist neben der Beschleunigung, auch die Möglichkeit, genauso schnell abzubremsen in Gefahrensituationen.

Das ist natürlich hinfällig wen man zu viel Power, zu wenig Hirn und Fahrkönnen und vor allem zu wenig Abstand hat. Früher waren die Motorräder auf 100PS begrenzt und das reicht auch.
Aber glaubt nicht, dass die Autofahrer besser sind, bei denen gilt oftmals das Gleiche, zu viel Power, zu wenig Hirn, zu laute Musik und Handy und immer zu wenig Abstand. Interessant ist zu beobachten, dass in jedem Dorf, Tempo 30, 40 oder manchmal auch unsinniges 20 gelten. Aber die Einheimischen sich zumeist selbst nicht dran halten, nun ja sie kennen ja auch ihre Blitzerstandorte.

Nun ja, trotzdem wünsche ich allen ne unfallfreie Fahrt:-)

Wie es jetzt bei mir weiter geht, das weiss ich leider gar nicht, ist auch kein tolles Gefühl, auch wenn ich im Grunde dankbar bin für jeden „beinahe beschwerdefreien“ Tag, so überwogt halt nun doch der Gedanke,- schade warum gibt es keine Zukunft mit diesen schönen Touren, also gedankenmässig wandere ich leider zum Depressiven, das ist aber das was ich immer vermeiden wollte. Jetzt habe ich da wenig Einfluss darauf.

Und nun wo sich in den letzten beiden Wochen die Schmerzen und anderes Symptome verlagert haben, muss ich mich nun darauf einstellen, dass es in Bälde insgesamt anders wird. Ich beneide inzwischen die Menschen, die einfach von heute auf morgen sterben, oder gerade die Tage habe ich von jemanden gehört, dass sie von der Diagnose bis zum Tod gerade mal 14Tage hatte. Ich empfinde mein Dahinleben mittlerweile als sehr belastend und beängstigend. Ich merke dass aus der Coolness inzwischen ein Hoffen geworden ist, dass es bald vorbei ist und ich nichts davon mit bekomme.
Wie erwähnt, ich hatte nicht gedacht dass ich überhaupt bis in den April noch da bin, wobei insgeheim der Wunsch war, zumindest mein Geburtstag am 22. Mai noch zu erreichen. Und so nach und nach ertappe ich mich dabei, wie ich mir heimlich neue Ziele abstecke und wünsche. Mag das auch nicht verwerflich und eher menschlich sein, so ist das fraglich ob das wirklich Sinn macht, wenn sich dadurch die Ängste und Beschwerden steigern.

Sterben in Etappen ist wirklich ätzend;-)

Neckarbrücke Heidelberg

Erste Station war Heidelberg, also dort bin ich runter von der Autobahn um dann ein Stück bis nach Hirschhorn am Neckar lang zu fahren. Von dort gings dann in den Odenwald über Michelstadt, Erbach, Bad König, weiter über Hanau in den Vogelsberg um ne alte Bekannte zu besuchen. Von dort dann ebenfalls weitere alte Bekannte und Ort zu besuchen, die ja dank Corona mit ziemlicher Sicherheit zu Hause sind. Anschließend ging es dann weiter über die Landstrassen nach Frankfurt, wo ich ursprünglich übernachten wollte. Dies lassen aber derzeit meine Schmerzen nicht zu. Auch wollte ich vor de Chemo am Dienstag nichts mehr riskieren, wobei ich da sicherlich weniger Angst vor Corona, sondern eher vor normalen Grippeinfekten vorsichtig bin, da das zwangsweise eine Aussetzung der Chemo riskieren würde und da ich das im Moment als meine letzte Hoffnung sehe, möchte ich da keine Risiko mehr eingehen

Neckarbrücke Heidelberg
Gammelsbach im Odenwald
Gammelsbach mit Burgruine Freienburg im Odenwald
Burgruine Freienburg bei Gammelsbach im Odenwald
alte Bahnbrücke bei Beerfelden im Odenwald
alte Bahnbrücke bei Beerfelden im Odenwald
Wenings , am Rande des Vogelsberges, da bin ich gross geworden
moderner Aussiedlerhof bei Büdingen in der Wetterau
dort verbrachte ich ein paar Jahre im Kinderheim, Düdelsheim
vom Balkon einer Freundin in Frankfurt /Höchst

In Frankfurt fällt einem schon auf, das man es mit den Corona-Regeln nicht so eng sieht und man merkt aber auch, dass das teilweise gar nicht möglich ist, gerade in den großen Fußgängerzonen. Man kann nicht jeder „Gefahrenquelle“ aus dem Weg gehen. Wenn man hier, sowie in jeder größeren Stadt etwas bewegen oder retten möchte, müsste es grundsätzlich eine FFP-Maskenpflicht geben und dass diese von der Regierung für jedermann zur Verfügung gestellt wird. Natürlich ist das nahezu unmöglich, also muss man mit einem erneuten Shutdown in Kürze rechnen

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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