und täglich merke ich eine seltsame Veränderung…

Heute habe ich mich gute zwei Stunden wahrlich bemüht etwas an meinem Motorrad zu reparieren. Überraschenderweise war es draussen kühler als gedacht, was sich letztendlich als positiv herausstellte. Denn bei der angedachten Hitze hätte ich sicherlich nicht all zu lange durch gehalten.

Wie ihr seht fühle ich mich körperlich nicht sonderlich fit. Vlt liegt es daran, dass ich die letzten beide Tage kaum draussen war, geschweige denn überhaupt aus dem Bett kam. Nun kurz zurück zu meiner Aussage am Anfang. Es hat sich viel getan seit der letzten Chemo. Zwar habe ich ja nun noch ne Weile Pause, aber ich habe mich auch einigermaßen erholt auch merke ich dass ich insgesamt schwächer bin und weniger Ausdauer habe. Nach wie vor habe ich grössere Beschwerden bei körperlicher Anstrengung und bei längerem Laufen. An einen Fotowalk wie ich ihn bis zum letzten Jahr mit links erledigt habe ist gar nicht dran zu denken, zumal mir auch das Interesse daran im Moment fehlt.

Irgendwie fühl ich mich gerade zu Hause am Wohlsten wenn auch am Einsamsten. Nach wie vor macht mir dieser Coronaknast arg zu schaffen. Wahrscheinlich wird es auch vielen anderen so gehen und ich würde mich nicht wundern wenn wir in wenigen Wochen vergessene Leichen finden, die sich umgebracht haben, oder schlichtweg aus Einsamkeit gestorben sind.

Wie schon gesagt zu Hause fühle ich mich derzeit am Wohlsten, am Besten noch im Bett mit sinnlosem TV schauen, was ich mir bewusst vor der Chemo zugelegt habe, obwohl ich TV hasse. Warum ich im Moment so passiv bin? Ich vermute weil ich derzeit in eine Depression rutsche. Es mag nicht das Schlimmste sein, denn ne Depression betäubt in ner gewissen Weise schon.

Ich glaube so langsam drifte ich auch in die Richtung loslassen ab. Ich bin Anfang des Jahres davon ausgegangen nu ja besser gesagt,- gehofft dass ich es bis zu meinem Geburtstag Mitte Mai überlebe und am liebsten ohne grössere Beschwerden.

Nun das sind noch etwa 5 Wochen, die ich aller Voraussicht auch wie gewünscht schaffen werde. Doch was kommt danach? Ich habe viele Ziele erreicht, Corona hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es schränkt mich arg ein und sicherlich auch euch und doch habe ich nicht die Zeit aufs Ende dieser Krise zu warten.

All das macht mich wohl depressiv und ich spüre diese Veränderungen täglich. Irgendwie kämpfe ich derzeit mit dem zumindest durchhalten auf was auch immer. Zu sehen wie es mir körperlich schlechter geht, das tut schon arg weh. Und es wird ja in Zukunft nicht wirklich besser werden. Und ich lass mich langsam darauf ein los zu lassen. Irgendwie möchte ich gerne wieder so gelassen mit dem Sterben umgehen wie noch vor wenigen Wochen. Aber inzwischen ist da ne Angst da, vor dem wie. Wie wirds mich erwischen? Und habe ich wirklich schon alles erledigt?

Letztendlich suche ich damit natürlich nach ner Ausrede, denn zur Zeit möchte ich nicht irgendwie einfach aufhören zu leben.

Das Motorradfahren hat mir tatsächlich auch etwas Lust aufs Leben gebracht. Aber ich kann mir nichts vormachen. Ich spüre die Schmerzen, den Tumor, den Druck beim Laufen und doch bin ich glücklich dass ich sonst kaum Beschwerden habe. Eine Chemo möchte ich auf jeden Fall noch tun um zu sehen, ob sie mich genauso wieder umhaut, denn das würde mir eine dann fällige Entscheidung erleichtern.

Aber es wird mir die Angst nicht nehmen und auch nicht die Ungeduld. So bleibt mir im Moment nur die Möglichkeit mich von all dem irgendwie ab zu lenken. Bisher hat das gut mit dem Motorrad geklappt. Mal sehn ob ich mich die Tage nochmal raus reissen aus diesem Loch. Und noch ein paar Kilometer runterspulen kann. Licht, Luft, Sonne und Kraft tanken🙂

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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