irgendwie alles ungewiss

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mmh, schon komisch manchmal denke ich, dass da was wahres dran ist, an dem Spruch, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.. Gestern etwa hab ich noch gross verkündet, keine Schmerzen seit der letzten Chemo, also genau seit 2 Wochen. Ein wahrlich gutes Gefühl, nach wirklich barbarischen schmerzhaften Monaten. Ist vergleichbar mit dauerhaften Nierenkoliken.

Nun ich weiss ja inzwischen auch was ich gut vertrage und was weniger gut tut. Interessanterweise ist fahren besser als laufen und diese Woche bin auf beiden Wegen recht gut unterwegs gewesen. Wie immer auch wieder mal verhältnismässig extrem. So bin ich vor ein paar Tagen im Schwarzwald zum Glaswaldsee hochgelaufen, das waren fast 100 Höhenmeter auf nen guten Kilometer.. Der Aufstieg ging zwar langsamer als sonst, aber es war ja auch recht warm, dennoch war der Willen es zu schaffen gross und das Ziel erreicht, was aber irgendwie nicht sonderlich sehenswert war. Die Bilder von der Tour werde ich die Tage mal einstellen.

Die Hitze ist jetzt schon grundsätzlich anstrengender und direkte Sonne soll ich ja während der Chemo vermeiden, das geht mit den Motorradklamotten noch recht gut, zumal ich teilweise UV geschütze Klamotten habe. Und dann kühlt der Fahrtwind ganz gut, denn nach wie vor ist es noch kein Sommer und teilweise recht frisch. Ich vermisse die kalte Zeit vom Januar und Februar wo ich meine grosse Touren gefahren bin. War mir schon immer lieber nicht unbedingt im Sommer zu fahren. Es sei denn ich kann dann mit Tshirt und kurzen Hosen fahren. Ja das hab ich auch schon immer gemacht, auch mit dem Wissen, dass das bei nem Sturz nicht die ideale Schutzkleidung ist, aber sorry, ich setze mich ja aufs Bike um zu fahren und nicht zu stürzen. Ausserdem bin ich der Meinung, dass man dann noch vorsichtiger fährt. Allerdings will ich mich da jetzt auch nicht rechtfertigen müssen. Das kann ja jeder selbst tun wie er mag.

Nun gut, heute mittag habe ich ein paar Stunden am Bike geschraubt, weil ich endlich nochn Sturzteil bekommen habe. Da habe ich gemerkt, dass mir die Kraft fehlt, das Bücken, sitzen, stehen war schon anstrengend, obwohl ich mir keinen Stress gemacht habe. Und zweimal habe ich tatsächlich wieder diesen ekligen Chemiegeschmack im Mund gehabt und das obwohl die Chemo vor über zwei Wochen war. Und diesen Geschmack bekomme ich nur mit noch so nem ekligen Getränk weg, mit Red Bull. Das überdeckt dann den Geschmack.. Anschliessend war ich dann kurz in Neuhausen und übers Würmtal zurück. Und bis dahin war ich noch schmerzfrei. Seit ein paar Stunden aber sind sie wieder da, noch nicht so schlimm, aber doch gut spürbar.

Komischerweise aber bin ich darüber auch etwas beruhigt, denn immerhin haben mich diese Schmerzen seit September begleitet, hat zu mir gehört und mir aufgezeigt, dass da was kaputt ist in mir.

Ohne Schmerzen habe ich aber gerade beim Laufen gemerkt, dass der oder die Tumore wachsen oder zumindest da sind, denn es ist ein stetiger Druck im linken Becken.. Denn was mich in letzter Zeit öfter mal genervt hat, ist dass man unweigerlich wieder Hoffnung hat, wenns mir gut ging, also gerade in diesem Fall, dass die Schmerzen direkt nach der Chemotherapie weg waren, dacht ich mir vlt wirkt sie ja doch?

Aber gleichzeitig war mir ja auch bewusst, dass die Nebenwirkungen oder Begleiterscheinungen heftig und deftig sind. Mir fallen immer noch Haare auf und ohne gross auf intime Details ein zu gehen, am ganzen Körper. Seit gut zwei Wochen muss ich mich nicht mehr rasieren. Ist das einerseits natürlich ne tolle Sache ist, werde ich dann doch beim Blick in den Spiegel wehmütig und an den Scheisskrebs erinnert.

Jetzt habe ich ja quasi 2 Wochen Zusatzpause bis zur nächsten Chemo. Ich würde mich freuen wenn ich bis dahin wieder so fit wäre wie vor der letzten. Aber inzwischen hab ich da etwas Bedenken, auch krieg ich keine Kilos mehr drauf, Hunger ist da, aber Appetit auf irgendwas, der fehlt. Und ihr wisst sicherlich selbst, wenn man nicht auf irgendwas Appetit hat, dann isst man nichts. Und so bin ich zum ersten Mal nach zig Chemos an dem Punkt wo viele andere mir Bekannte auch waren. Sie konnren ihr Gewicht nicht halten und sind letztlich daran gestorben.

Ist ein einfaches Rechenbeispiel. Ich war früher schon immer ein paar Kilo schwerer, hatte auch schon 89kg, bei 171cm, nicht wirklich ideales Gewicht. Aber der erste Tumor, immerhin über 13cm gross im Darm, hatte auch sein Gewicht. Danach hatte ich mich stets so auf die 81,82kg eingependelt. In der Chemowoche sind dann schnell wieder 3-5 kg weg. Danach war es dann ne wichtige Aufgabe, die bis zur nächsten wieder drauf zu kriegen. Hat mit viel Aktion dann zumeist geklappt. Nun zum ersten Mal bin ich immer noch unter der 80er Marke. Also rechnet mit! Jede Chemo kostet 4kg, alle 2 Wochen. Nach der 4ten hast mal schnell 13-15kg abgenommen. Gleichzeitig wird das Immunsystem auch schwächer.. Das hält man auf Dauer nicht durch. Also nun habe ich 2 hinter mir. Bekommen tue ich sie begleitend bis zum Lebensende, es sei denn es geschieht ein Wunder und das Wachstum wird tatsächlich gehemmt oder gar gestoppt, denn das ist ja das eigentliche Ziel einer Chemo. Die Zellteilung stoppen oder hemmen. Wenns gelingt, baut sich das gesunde Gewebe dann nachweislich schneller auf als die Krebszellen.

So kurz zurück zur Rechnung. Spätestens nach der 6ten Chemo müsste der Gevatter Tod dann vor der Türe stehen. Ob es bis dahin überhaupt noch lebenswert ist ist fraglich. Das muss auch ein jeder für sich selber entscheiden. Da kannst auch nicht auf die Ärzte hoffen, denn ihre Aufgabe ist es Dich am Leben zu halten egal wie es dir geht. Meine eigene Entscheidung wie immer.

Momentan tendiere ich dazu, zumindest noch eine Chemo zu machen, auch weil ich neugierig bin, was dann passiert. Haare können ja nicht mehr ausfallen. Sollte ich dann dennoch wieder so k.o. sein wie jetzt, dann ists klar, dass danach keine mehr kommt. Dann mache ich mich whrlich auf den letzten Weg. Der könnte gar noch länger gehn als mit Chemo. Aber in welchem Zustand ist und bleibt fraglich.

Anfang des Jahres habe ich gehofft, meinen Geburtstag im Mai zu erreichen. Das schaut derzeit auch nicht so schlecht aus, sind ja gerade noch etwas über 5 Wochen und vlt noch 1500 km, wenns Geld irgendwie erreicht. Und gerne würde ich das Ende des momentanen Shutdown noch erleben. Um eben meine mir wichtigen Personen nochmal in den Arm nehmen zu können und das wollen die ja auch und ein paar schöne Momente als Erinnerungsmarken für sie zu setzen, damit sie mich gut im Gedäxhtnis behalten.

Und wenn ich ehrlich bin, möchte ich den nächsten kalten grauen Winter nicht mehr miterleben, zumindest nicht mit dieser Krankheit. Lieber mit etwas abschliessen, als sich auf jede Hoffnung zu stürzen und dann doch enttäuscht zu sein. Ich glaube viele würden sich von euch in meiner Situation auch so entscheiden. Den gewünschten schnellen Tod, den wir uns alle doch irgendwie wünschen, dee ist schon an mir vorbei gezogen. Es gibt nichts schlimmeres als das Sterben in Etappen, oder mit dem Wissen, selbst wenns einem gut geht, dass die Tage gezählt sind.

Kennt ihr das nicht auch von euch, wie man sich manchmal seine Zukunft zusammen spinnt? Das macht ja auch Spass, Pläne zu schmieden, am besten noch mit der grossen Liebe. Kinder, Enkel und was das Leben sonst noch lebens und liebenswert macht. Aber ein Leben ohne Zukunftspläne ist nicht sonderlich lebenswert.

Also dann, bleibts auf Abstand und gesund🙂

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

2 Kommentare zu „irgendwie alles ungewiss

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