Was ist da nur los in dieser Welt….

#keinemorgenlektüre

Tja eigentlich wollte ich ja von meiner gestrigen tollen Tour schreiben und berichten. Aber irgendwie hat mich die Wirklichkeit heute etwas eingeholt. Klar von vorn herein stand fest, dass ich heute nicht wieder fahren werde, denn auch ich brauch ne Erholungsphase. So hatte ich auch einige Dinge in der Stadt zu erledigen, wo ich auch wieder mal Menschen getroffen habe, die ich vor Jahren zum letzten Mal sah. Und wie das unter uns alten Männern so ist, werden die Zipperlein gegenseitig aufgezählt und schliesslich ist man überrascht wieviel doch jeder so in den Jahren ansammelt. Ich bin dann oft genau so traurig diese Dinge zu hören. Aber wenn ich dann mit meinem Päckchen anfange, schockiere ich die Anderen doch sehr. Mir ist das gar nicht immer so bewusst, wie sehr das Andere doch bewegt, aber es tut auch gut zu sehen oder zu hören, insbesondere dann von harten Männern, wie gut und nett ich doch bin und das ich Ihnen immer sympathisch war, auch weil ich ihnen immer tolle Erinnerungen, gerade mit Fotos gemacht habe. In diesem Fall war es ein stadtbekannter Bauarbeiter, der viel mit seiner Firma hier in Pforzheim geschaffen hat und selbst krankheitsbedingt einige Jahre ausgefallen ist. Und durch die zehnjährige Dokumentation hier in der Stadt, habe ich ihn mit seinem Team recht oft auf den Bildern, die diese Akteure eh immer von mir bekommen haben.

Tja im Nachhinein kam ich dann wieder ins Grübeln, ob das wirklich o.k. ist meine Lage es anderen unvermindert an den Kopf zu werfen.. Aber ich habe mich eben vor zwei Jahren dazu entschieden, es öffentlich zu machen, da es mir auch teilweise zu anstrengend war tausenden Leuten immer wieder die gleichen Sachen zu erzählen und ganz ehrlich wer redet schon gerne über Krankheiten?! Nun damals sah es aber etwas anders aus. OP, Chemo, das war alles klar dass das vor mir lag und ich erinnere wie viele mir da Mut gemacht haben, denn die Heilung war keineswegs ausgeschlossen und es gab eben Hoffnung. Auch gerade weil ich fünf engere Bekannte überlebt habe und skurrilerweise immer noch auf dem 1. Platz steh, den mir ausnahmslos auch alle gegönnt haben. Danke dafür!

Doch nun hat es sich eben zu einem Sterben auf oder in Etappen gewandelt. Hoffnung? Ja vlt dass es schnell und beschwerdefrei einfach vorbei gehn sollte. Ihr kennt meine Pläne nach der letzten oder vorletzten Diagnose genau so gut wie ich. Motorrad kaufen, auch im kalten Januar, alte Orte und Freunde besuchen. Und den Rest vom Leben mit Leben ausfüllen. Dank einiger hier, war mir das überhaupt möglich, da sie mich selbstlos auch finanziell unterstützt haben. Dafür kann ich gar nicht genug danken! Jetzt werde ichs auch noch schaffen die paar kaputten Teile zu ersetzen. Und nun? Was ist daraus geworden?

Hab fast alle Orte und Freunde besuchen können, doch so wie das jetzt läuft habe ich mir meine letzten Monate nicht vorgestellt. Corona und die Regelungen haben nicht nur mir einiges vermasselt. Ein bisschen mehr Spass und Freiheit hätte ich mir doch sehr gewünscht. Mir fehlt das soziale Miteinander, sich noch mit Freunden treffen, sich zu verabschieden und mich natürlich auch damit abzulenken.

Klar Corona geht auch wieder vorbei, aber werde ich das so noch erleben, dass ich es auch noch nutzen kann? Jeder Tag ist noch wertvoller geworden und gleichzeitig wertloser. Im normalen Leben tun mir 4 Wochen zu hause zu sitzen nicht weh, wie sicherlich euch auch nicht. Aber bei der letzten Chemo habe ich ja gesehen wie schnell das alles anders aussieht. Mein Leben findet jetzt nur noch irgendwie im Akkord statt. Wenn ich es nicht schaffe nach der Chemo so schnell wie möglich auf die Beine zu kommen, werde ich schneller versacken. Und bringt sie überhaupt etwas? Das wissen nur die Götter und nicht mal die Ärzte. Aber mache ich sie nicht, habe ich dank Corona auch nichts davon.

Denn weder kann ich meine Cousine in Südfrankreich besuchen noch meine wichtigste Person in Mexiko. Also kann ich auch die Chemo machen und hoffen, dass sie mir tatsächlich ein paar Monate schenkt um jetzt durch die Coronazeit zu kommen. Andererseits könnte ich mir ohne diese Hoffnung auch besser gleich die Kugel geben.

O.k. etwas Positives und das ist der Grund weshalb ich mir die Chemo überhaupt antue, ist,- dass ich seit der 2ten absolut schmerzfrei seit Monaten bin. Vor ein paar Monaten wäre das alleine schon mein grösster Wunsch gewesen. Jetzt ists ein Nebenprodukt, denn die Hoffnung geheilt zu werden ist nahezu ausgeschlossen. Ich hatte mich so an die Schmerzmittel gewöhnt, es war keine Belastung mehr für mich.

Wie schon erwähnt war ich in der Stadt heute zu Fuss, etwa 2km gelaufen, früher lief ich bis 20 am Tag. Aber diese 2km waren um einiges anstrengender als die 200km gestern auf dem Motorrad, denn das Laufen fällt mir schon deutlich schwerer als zuvor und sind auch ein deutliches Zeichen, für den Tumorwachstum. Und dann diese trostlose Welt da draussen ohne die sozialen Kontakte und Freiheiten machen mich traurig. Keine schöne Zeit zum Sterben. Auf jeden Fall nicht so wie ich mir es gewünscht habe. Lachend und glücklich die Augen für immer schliessen, das war der Traum.

Jetzt dürfte mich nicht mal jemand besuchen und begleiten. Mir tun gerade die im Hospiz sind leid, und deren Angehörigen. Und diese zum Teil hirnrissigen Regelungen seitens der Regierung.. Vorsicht ist gut, gar keine Frage, aber Panikmache und Drohungen wie ab heute mit extra hohen Strafen ist unmenschlich….

Ich bin mir sicher, dass die Menschen gerade im Hospiz, lieber früher gehen würden, wenn sie nur noch mal ihre Liebsten treffen könnten.

Tja und ich habe heute eben auch wieder gemerkt, dass ich nur auf der Flucht vor dummen Gedanken bin und es damit aber bestens schaffe zu vergessen, dass ich zu der Gattung Todkranker gehöre und meine Uhr langsam abläuft. Sobald ich das Vergessen aber vergesse, kann ich mir echt das Licht auch schon jetzt ausknipsen. Glücklicherweise ist da aber ne kleine Hoffnungspflanze, wenigstens die Coronakrise zu überleben..

Also dann bleibts gesund! Auch im Kopf🙂

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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