Entscheidungen zu treffen ist immer ein Unding

also hier mal ein kurzes Update oder Statement.. und danach gibts nur noch wöchentliche Updates….
Ihr habt die letzten Tage von mir beinahe hautnah miterlebt. Dafür auch ein Danke, denn ich sehe ja auch die Anteilnahme, das Interesse sowie die gut gemeinten Ratschläge, ebenso wie eure Hilflosigkeit, auch besonders auf dem extra angelegten Blog. Das alles tut auch gut zu sehen, dass ich einerseits nicht ganz alleine da stehe, auch wenn ich letztendlich doch jede Entscheidung für mich treffen muss.
In meinem Anliegen hier gehts mir nicht um Mitleid zu erhaschen oder ähnliches. In einer solchen Situation in der ich mich gerade befinde und leider noch viel viel mehr und noch jüngere als ich, die sich vlt nicht trauen so offen damit umzugehen, da hilft kein Mitleid, oft auch keine guten Worte und schon mal gar kein Geld.
Es ist so wie es ist. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht dass ich danach trachte mein Leben so weit wie möglich lebenswert und würdevoll zu leben. Zumindest das was mir noch übrig bleibt. Manchen habe ich damit Hoffnung gemacht, manchen habe ich sie auch genommen, durch die eben gnadenlose Ehrlichkeit und ihr könnt euch sicher sein, dass es dennoch nur ein Teil der Wahrheit ist. Denn diese sieht um einiges schlimmer aus.
Und will ich euch doch ersparen, aber auch mir, denn hier gehts ja manchmal um sehr private und intime Dinge, die ich auch nicht einfach so jedem in die Hälse stecken möchte. Ich bin dennoch dabei nebenher eine detailierte Ausgabe dazu zu erstellen, die aber erst nach meinem Ableben veröffentlicht werden soll, falls ich sie je zu Ende bekomme. Es kommt auch inzwischen öfter vor dass ich manchmal schon die Menschen trösten muss, weil sie mich mögen und mit mir leiden, aber gerade diese Konstellation habe ich bewusst versucht zu vermeiden, nicht nur hier in der virtuellen Welt sondern auch im tatsächlichen eigenen Leben. Seit ich krank bin, also mit dieser Erstdiagnose Darmkrebs 2018, ich habe auch schon seit weit über 30 Jahren eine CML(das ist ne chronische Leukämie), die ich aber sehr gut im Griff hatte und sie mir nur alle paar Jahr mal in Schüben Schwierigkeiten bereitete, wobei dies jetzt zu verharmlosen wäre auch nicht ok, denn auch hier hätte ich mein Leben 2011 beinahe ausgehaucht. Dennoch diese Darmkrebsgeschichte ist eine andere Nummer, dazu kommt dass mich 2011 kaum jemand kannte
Um beim Thema zu bleiben, seit dieser Erstdiagnose habe ich mein Privatleben runtergefahren, weil ich niemandem zur Last fallen wollte und beziehungstechnisch nicht für die Liebste eine Pflegefall sein wollte. Das waren alles bewusste Entscheidungen und ich habe immer das Gefühl gehabt, dass ich stets richtig entschieden hatte, auch mit den Behandlungsoptioenen, auch sehr zum Leidwesen der Ärzte, denn ich habe immer gesagt es ist mein Leben.
Es hat sich auch herausgestellt, dass ich absolut tolle Ärzte gefunden habe, von der Hausärztin, über Neurologen, Onkologen und Chirurgen. sie haben beim ersten Mal erstklassische Arbeit verrichtet. Ihr wisst wie schnell ich fit war. Den blinden Radiologen, dem ich wahrscheinlich meinen jetzigem Zustand zu verdanken habe, weil er eben ein Jahr lang den neuen Tumor(Rezidiv) nicht entdeckt hat, verzeihe ich als Christ, möchte aber auch keinen Gedanken mehr an ihn verschwenden.
Ich muss mit dem was jetzt ist leben oder eben nicht.
Ihr wusstet von meinen Träumen dass ich wenigstens vor der Chemo nochmal alte Orte und Freunde besuchen wollte und dank einiger wunderbarer Menschen hier, die mich absolut überraschend und selbstlos über paypal finanziell unterstützt haben, konnte ich diese Ziele beinahe alle erreichen. Auch diese Entscheidung das Motorrad schon im Januar zu kaufen und zu fahren war in Anbetracht der jetzigen Corona-Krise auch richtig. Als hätte ich es erahnt.
Nun gut ich wusste dass die Chemo kommt und von mittlerweile mehreren unabhängigen Ärzten bestätigt bekommen, dass es eigentlich mein einzige Chance überhaupt ist, zumindest über das Jahr hinaus zu kommen.
Aus diesem Grund fiel mir der Entschluss zur Chemo auch mit dem Klasse-Onkologenteam im Siloah etwas leichter.
Nun habt ihr gesehen was das bisschen Chemie aus mir in gut drei Wochen gemacht hat,- ein Wrack. Ich war heute mittag draussen weil ich das einfach mal machen musste, sass dann in der Fussgängerzone und lies die letzten Wochen Revue passieren. So zusagen war meine Welt bis heute früh in Ordnung. Dass die Chemo kein Zuckerschlecken werden würde, war mir klar, auch dass ich Haare verlieren werde im Gegensatz zur letzten, war im Plan. Aber nachdem ich das zum ersten Mal heute früh im Bad bewusst wahrgenommen habe, ist meine Welt zusammen gebrochen, nicht wegen den paar Haaren, aber dass das schon nach der zweiten Chemorunde, also seit dem 10.03 der Fall ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich sass da auf diesen neuen Ufobänken und habe geflennt wie ein kleines Mädchen. In solchen Momenten kann dir keiner helfen, da muss man alleine mit klar kommen. Aber ich habe gemerkt das ich damit nicht klar kommen kann und werde und will.
Für mich war seit der Zweitdiagnose im November mit dem Beckentumor und den dann erfolgten Untersuchungen klar, dass 2020 mein letztes Jahr sein wird. Und es gab eine Zeit da habe ich damit meinen Frieden gefunden.
Nutze die Zeit, mach das beste daraus, das war mein Motto Und ich habe es getan. Zwar wie gesgat nicht alle Ziele erreicht, aber vlt habe ich ja auch noch etwas Zeit. Mit der Chemo ist ein Detail aufgetaucht, Hoffnung das es vlt doch noch ne Verlängerung gibt, denn der Kampf im letzten Jahr gegen diesen scheiss Krebs habe ich gewonnen und es hat mich stark gemacht und lebensmutiger, neugierig auf das was noch kommen könnte. Und heut früh ist diese Hoffnung zersprungen, geplatzt.
ich habe mich in den letzten Monaten auch mit und durch das Motorradfahren fit gemacht für diese kommende schwere Zeit. Ihr wisst welche Touren ich gemeistert habe, das kann man nur wenn man körperlich und mental fit ist. ich habe diesen Unfall im Hagelschauer weggesteckt, warum wohl? Weil ich neugierig aufs Leben war. Das hatte ich all die letzten Jahre nicht mehr so ausgeprägt.
Fühlte mich wie Tarzan oder was weiss ich was es da och für Superhelden gibt.
Und nun machen mich da ein paar Beutel Chemie zum Wrack innerhalb kürzester Zeit. Nein hier habe ich meine Grenze erreicht..
Ich werde diese Chemo nicht mehr weiter machen. Das ist natürlich auch mein Todesurteil, aber immerhin selbst gewählt, wenn es auch nicht auf der Wunschliste oben an steht.
Wie fast alle von Euch möchte ich auch am liebsten nachts beim Schlafen sterben. Das ist sozusagen der einzige Wunsch den ich habe und je länger es bis dahin sorglos und beschwerdenfrei geht umso besser.
Dass das keine leichte Zeit wird, vor allem in mentaler Hinsicht, ist mir auch klar, aber hier hoffe ich mal auf ein gutes Palliativ-Team wenn es überhaupt nötig sein wird.
Und das war mein aktuelles und vorerst mal letzes Statement auch im Blog. Ich werde meine schriftlichen Ausführungen runterfahren und vlt noch ein Update pro Woche veröffentlichen. Ich glaube das ihr das alle verstehen werdet und nicht anders selbst entscheiden würdet.
Ihr seht selbst ich bin fit, ohne Chemo und hoffe dass es noch ne Weile so bleiben wird. Durch diese Scheiss-Corona-Krise ist die Welt um uns eh schon gestopft mit bad news, noch mehr will ich euch und mir auch nicht noch zu muten. Und gerne würde ich diese Krise auch noch überleben.
Und doch gibts einen kleine Änderung. Aus Toms letzte Reisen, wird nun endgültig Toms letzte Reise. Wäre schön wenn ihr dennoch hin und wieder mal reinschaut:-)
Und eines nebenbei bemerkt, was trotz Corona teils etwas eingeschränkt ist. Ich sage es euch immer wieder: Es gibt nichts wertvolleres als gemeinsame harmonische Zeit mit seinen Liebsten. alles andere ist ersetzbar, aber nicht die verlorene und sinnlos zerstrittene Zeit:-)
bb

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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