die dritte Nacht und kein Ende…

kein Ende von Beschwerden und vor allem von Ängsten.

So kann das nicht weitergehen. So werde ich das nicht schaffen können und wollen. Jede Chemo ist anders und bringt andere Probleme mit sich. Bisher und damit rechne ich die alten von vor gut 1,5 Jahren dazu. Aber dieses Mal bin ich schnell an meine Grenzen gekommen. Auf gut deutsch habe ich nie so oft gekotzt, oder kämpfe so dagegen an wie jetzt nachts um halb drei. Es ist ein Scheiss Gefühl, aber sicher habt ihr das auch schon selbst miterlebt, denn jeder hatte bestimmt schon irgendwelche Krankheiten die euch in die gleiche Situation gebracht, aber mit dem Wissen nach ein paar Tagen seid ihr wieder fit und munter. Das ist eben der Unterschied bei mir. Es wird sich nahezu jede zweite Woche wiederholen und somit zu meinem Lebensalltag. Da sind meine Grenzen, die ich mir so nicht erwünscht habe.

Und diese Ängste, vor was eigentlich? Im Moment macht mir die soziale Vereinsamung durch diesen Coronaknast enorm Angst. Die letzte Chemotherapien habe ich so gut überstanden, weil ich ständig draussen unter Leuten war, ich habe nen gewissen Alltag gehabt und dadurch natürlich die nötige Ablenkung. Nun sitze oder liege ich zuhause, schaue irgendnen Scheiss im TV, den ich mir extra für die Chemozeit angeschafft habe und auch ne richtige Entscheidung war.

Aber was sieht man dort gerade den ganzen Tag? Corona auf und ab. Ich wollte mich ablenken von mir und meiner Situation, die wahrlich schon bedauernswert und von normalen Menschen kaum zu verstehen und zu ertragen ist. Besuchen kann, will und soll mich keiner, klar denn wer ist mehr gefährdet als wir in der Chemo und das ja nicht nur wegen Corona, denn es gibt durchaus noch andere tödliche Krankheiten, die man sich mit nem kaputten Immunsystem holen kann. Ich hingegen bin inzwischen in einer Phase wo ich beinahe dankbar wäre über jede lebensverkürzende Infektion, die ich aber keineswegs im Krankenhaus auskurieren möchte, oder eben auch nicht dort überleben möchte. Nach wie vor ist mein Wunsch zuhause mein Leben auszuhauchen. Nur mit dem Unterschied, je eher desto besser. Ich weiss es sind harte Worte, aber ich habe es von Anfang an geschrieben, dass ich offen und ehrlich bleibe. Viele von Euch denken immer wieder oder noch, ich bin ein grosser Kämpfer, nein das bin ich nicht! Ich wüsste auch nicht wofür ichvkämpfen sollte? Mit der Chemo für 3-4 Monate längere Lebenszeit ? aber zu welchen Bedingungen? Auch durch dieses Corona sind die Abläufe der ganzen Chemo inzwischen anders. Ich hatte es ja schon ein paar Mal erklärt. Ich gehe zumeist am Dienstag alle 2 Wochen zur ambulanten Chemo, die immerhin jetzt etwas kürzer ist als beim letzten Mal, aber dennoch 3 Stunden bin ich dort vor Ort angestöpselt. Beschissen finde ich in dieser Praxis, dass man weder Wlan noch normalen Netzempfang hat, man könnte sonst soviel in dieser Zeit tun, es ist einfach Standard inzwischen. So schaue ichvmir zumindest auf dem Tablet den Tatort vom letzten Sonntag an.Wenn ich dort fertig bin, bekomme ich immer eine Pumpe mit die ich mir um den Hals hängen kann und mir weitere 48 Stunden Chemie in den Körper reinpumpt. Und dieses Zeugs erzeugt erst die Begleiterscheinungen. Klein aber teuflisch. Um diese Pumpe abnehmen zu lassen muss ich eben 2 Tage später wieder ins Siloah, immerhin mit Taxi. War immer ne Aufgabe von maximal 15 Minuten, dann war ich da wieder draussen. Wie gesagt, die Abläufe sind nun dank der Vorsichtsmaßnahmen anders. Heute war ich über eine Stunde dort, konnte dann wie geplant die guten 2km bis zu mir nach Hause laufen, denn ich brauche frische Luft. Auch dieser Weg obwohl nur bergab, und normal in 20-30 Minuten zu schaffen, dauerte heute über ne Stunde, mit mehreren Beinahekotzereien. Die drei Etagen in meine Wohnung haben auch über 20 Minuten gekostet, denn ins Treppenhaus zu kotzen um es dann noch selbst wegmachen zu müssen, ging es auf jeden Fall zu vermeiden. Fotos unterwegs zu machen, war gar nicht möglich, da fehlte mir einfach die Lust und Kraft dazu obwohl es dort immer schöne Motive gibt, gerade jetzt im Frühling. Wollte mir unterwegs noch was vom NORMA mitnehmen weil es auf dem Weg lag, auch das konnte ich vergessen.

Zuhause angekommen war ich k.o. wie ein alter Mann. Aber ich habe mich gezwungen mir Pasta a la Panna zu kochen, weil ich seit Sonntag nichts mehr festes gegessen habe und der einzige Weg diese Chemie im Körper rauszu kriegen ist trinken und essen. Aber es schmeckt einfach nichts weil die Geschmacksnerven nicht ihren gewohnten Dienst tun, dennoch ich hab nen halben Teller geschafft. Dann nur noch ins Bett. Schlafen ging nicht, gross bewegen auch nicht, alles passt nicht. Bisschen Smalltalk über whatsapp, das wars. Ich brauche aber den natürlichen und persönlichen Umgang mit Menschen, doch man sieht kaum jemand auf der Strasse. Am Montag war ich topfit, mit dem Motorrad unterwegs und nach so ein bisschen Chemie im Körper wird man zum Wrack. So ein Leben wünsch ich keinem und mir auch nicht.

Ich bin schon längst nicht mehr gläubig und suche dennoch nach Dingen warum ich so und für was ich so bestraft werde? Ich habe nie jemandem was böses getan im Leben. Und warum muss ich jetzt so leiden? Das hat nichts mit wehleidung zu tun, sondern eher Wut und Verzweiflung. Habe ich jetzt nicht wenigstens ein Recht auf ein würdiges und schnelles Sterben ? Die Hoffnung und Zuversicht wurde mir doch eh schon geraubt.

So bleibts wohl bei der einzig richtigen Entscheidung, die mir heute meine wichtigste Person überhaupt, wieder mit ihren wohltuenden und wahren Worte vermittelt hat. „Die Chemo hat mich bis hier her gebracht, Danke dafür“ Aber jetzt ists wohl sinnvoll die letzte Reise ohne diese anzutreten.. da stimme ich mit ihr überein. Ich muss nur noch etwas gegen diese Ängste finden, denn die Angst vorm und wie des Sterbens, ist schier unerträglich und stresst zudem auch noch.. Dennoch glaube ich, ich werde mich besser fühlen, wenn ich nicht mehr weiterkämpfe. Denn bevor ich diese Chemozusage getätigt habe, gings mir besser. Nicht jede Hoffnung ist lebenswert.. Ich brauche mentale und physische Freiheit zum Leben. Im Hof steht mein Bike auf dem ich am Montag noch glücklich unterwegs war, heute hatte ich nicht mal die Kraft mich drauf zu setzen. Viele Ziele habe ich erreicht damit, die letzten nach Südfrankreich bleibt mir dank Corona wohl verwehrt. Doch eines möchte ich noch erreichen, meine wichtigste Person im Leben nochmal zu treffen die aber gerade jenseits des grossen Ozeans weilt. Vlt schaffe ich es ja noch dadurch auch diesen Coronaknast zu überleben, Aber den Kampf gegen den Krebs habe ich verloren. Und ich werde ihn nicht mehr aufnehmen, weil ich ein Mensch bin der auch würdevoll sterben möchte.

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

2 Kommentare zu „die dritte Nacht und kein Ende…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: