Tag 1 nach der zweiten Chemo…..

und was soll da noch kommen? Wieviele sollen noch kommen? Da ich alle 2 Wochen zur Chemo muss, ist immer auch eine komplette Woche kaputt mit denen ich ne Woche weg vom Fenster bin im wahrsten Sinn des Wortes. Die Chemos begleiten mich wohl den Rest des Lebens. Angenommen ich schaffe es noch ein Jahr, ist es dann nicht in Wirklichkeit gerade mal ein halbes „lebenswertes“ ? Und was kommt im Laufe der Zeit noch dazu? Die Nebenwirkungen der Chemos bleiben sicherlich auf Dauer auch nicht ohne Beschwerden. Ich habe noch eine funktionierende Niere, womit die Gefahr eines Nierenversagens natürlich extremst gesteigert ist. Mit etwas Glück könnte dem ein schneller vielleicht sogar schmerzloser Tod folgen, aber was passiert wenn ich da keinen Einfluss darauf habe und ich dann noch zur Dialyse die auch noch zwei oder drei Wochen kostet muss? Ist das dann echt noch lebenswert?

Mein ganzes Leben hätte ich mir schon irgendwie gerne etwas besser gewünscht. Heisst ja nicht, dass alles schlecht war, aber es waren eben Dinge dabei die mein ganzes weiteres Leben nicht gerade positiv beeinflusst hat. Mit 4 die Mutter und geliebte Schwester zu verlieren, den Vater zehn Jahre später, aber seit dem Tod der Mutter nie wieder gesehen. Bei fremden beschissenen Pflegeeltern gross zu werden inklusivem mentalen, körperlichen und sonstigem Missbrauch und letztendlich dann doch noch im Heim gelandet. Immerhin hatte ich zum grössten Teil wunderbare Beziehungen, aber auch nicht für alle Ewigkeiten. Und Verluste hatte ich genügend zu ertragen, mit Sicherheit einer der härtesten Prüfungen und Schmerzen des Lebens. Gesundheitliche Einschränkungen auch schon seit Jahrzehnten und extremst mit diesem Scheisskrebs in den letzten beiden Jahren. Und die Prognose ist ja bekannt oder eben nicht. Das weiss weder ich noch die Ärzte. Die Schmerzen jetzt seit nem halben Jahr kaum mehr zu bändigen ohne extreme Schmerzmittel die auf Dauer nun auch nicht sonderlich schonend auf die Niere wirkt.

Ich denke es wird Zeit bewusst auf zugeben aufzuhören. Ich habe Patientenverfügungen erstellt, wo ich auf alle lebensverlängernden Massnahme verzichte, ja so zu sagen den Ärzten es verboten habe, muss ja in diesem Deutschland alles niet und nagelfest sein. Aber ich selbst tue es ja mit der Chemo selber nicht. Ich versuche ja damit mein Leben zu verlängern, aber ob ich das wirklich will, da bin ich mir ja nicht wirklich sicher.

Ich habe oft das Gefühl, dass ich es wegen den Anderen wegen Euch und den Menschen tun, die mich mögen. Natürlich ist das toll wenn einem so viele mögen und unterstützen wollen. Aber die jenigen, die mich wirklich sehr gut persönlich kennen, wissen auch dass ich selbst inzwischen ne ganz andere Einstellung dazu habe. Ich bin bereit fürs Gehen, je eher und schmerzloser um so besser. Ich mag auch keine Verlängerung mehr, selbst dieser Coronaknast beeinträchtigt mich beträchtlich. Welch Glück habe ich jetzt mit dem Motorrad, mit dem ich wenigstens etwas mobil bin, aber ich krieg ja nicht mal mehr n Hotelzimmer über Nacht. Ich fühl mich da wahrlich eingesperrt und frag mich schon die ganze Zeit wie ich das bisher ohne Panikattacken geschafft habe. Natürlich wäre ich jetzt schon mal gerne in ner Beziehung, aber aufgrund meiner Krebserkrankung habe ich mich auf Rücksicht, für diese nicht zum Pflegefall zu werden, zurückgezogen. Jetzt traut sich keiner zu mir weil ich ja ein Hochrisikopatient bin und mich keiner irgendwie infizieren will. Insgeheim wäre es mir sogar recht. Nun ja egal wie es weitergeht. Ich denke dass ich meine Entscheidung längst getroffen habe und sie spätestens nach der nächsten Chemo auch angehen werde. Das wird natürlich kein aktiver Suizid, sondern einfach den Weg in die Palliativ-Medizin, mit hoffentlicher medizinscher Begleitung, denn ich habe nicht den Glauben, in denen viele von Euch gut aufgehoben sind. Mir reichen die Alpträume und Panickatten ob der Angst des Sterbens. Ich glaube das ist menschlich und dagegen bin ich auch nicht gefeit. Auch das ist eine beträchtliche Lebenseinschränkung.. Und davon habe ich genug…

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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