Chemorunde die 2te

Da sitze ich, ich dummer Thor und denke mir vielleichts kommts vor mit dieser beschissenen Prozedur zu überleben? zum länger leben oder zu was überhaupt?

gekühlte Softdrinks

Tja was erwarte ich und was die Anderen? Die Ärzte? Die Freunde. Alle erwarten und erhoffen wahrscheinlich mehr als ich selbst. Und sicher meinen sie es alle gut mit mir. Aber was ist denn nun überhaupt gut für mich? Ist es denn nicht jetzt schon fraglich dass ich verhältnismässig viele Tage und die Nächte dazu gerechnet mich nur um die Chemo opfern oder mich beschäftigen muss damit. Und dann der Tag der Chemo an sich nervt ja schon 2 Tage vorher. Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit sowieso. Auch musst schon beim Essen aufpassen. In der Regel mache ich jetzt immer dienstags die Therapie. Und dann kann ich sonntags zum letzten Mal was essen, denn es gibt nichts dooferes als während der Chemo mit anghängter Kabel und Schläuchen Durchfall zu haben und das Klo zu blockieren und auch nach der CT zuhause brauche ich erst mal meine Ruhe. Aber auf leeren Magen hält man die Chemie kaum ohne Magen- Beschwerden aus. Besser verträglich ist auf jeden Fall mit etwas im Magen. Zwischenzeitlich hab ich mir angewöhnt wenigstens ne Banane zu essen.

Die Nacht war ich wie gewohnt durch die Schmerzen ab 3h wach um meine Tropfen zu nehmen. Dann nochmal einzuschlafen ist schier unmöglich. Tausende Gedanken wandern durch den Kopf und wissen nicht wohin sie sollen. Und doch stehe ich erst auf den letzten 15 Minuten auf, weil ich vorher ehwie gerädert bin und wer steht an einem solchen Tag schon gerne auf?

Bevor das Taxi oder der sogenannte Krankentransport kommt, kommt noch das schlimmste Übel, mindestens 20 Tropfen Valium muss ich irgendwie runterkriegen. 20 Tropfen ist etwas übernen halben Teelöffel. Aber das schmeckt scheusslich und man muss es pur am besten unter der Zunge einnehmen um anschliessed mit irgendwas geschmackvollerem nach zu spülen. Bis heute habe ich nichts hilfreiches gefunden und noch ne Stunde später hast den ekligen Geschmack im Kopf. Wahrlich mit das schlimmste am ganzen Tag. Aber ohne, hätte ich nicht den Mut und Ruhe zum Termin zu gehen.

heute war ich dank dem wenigen Verkehr zu früh vor der noch geschlossenen Praxis. Und viele waren schon von mir da, denn auch hier werden wegen der Coronakrise Vorsichtsmassnahmen getroffen, die den ganzen Eintrittsablauf änderten. So wurden die Patienten einzeln angerufen, was logischerweise Verzögerungen mit sich bringt. Und auch hier gibts Menschen sogenannte Patienten die sich darüber beschwerten und Probleme hatten mit nem erst recht hier sehr notwendigem Sicherheitsabstand. Auch heute war ich definitiv der Jüngste. Und den meisten sieht man ne gewisse Todesangst in den Augen geschrieben. Komischerweise fehlt die mir. Insgeheim würde ich mir wünschen dass mich jemand mit diesem Coronavirus ansteckt, denn in der aktualisierten Patientenverfügung habe ich eine dadurch enstehende lebensverlängerne Behandlung ausgeschlossen. Denn irgendwo ist mein Lebenswillen eh schon längst gebrochen. Aber zurück zu den hier überaus verängstigten lebenshungrigen Mitpatienten, die sicherlich schon härtere Zeiten gesehen haben und sich trotzdem beschweren. Irgendwann hats mich dann genervt, das unterschwellige Grumeln und der Argwohn gegenüber der unter vollem Einsätz tätigen Mädels, die dennoch zu jeder Zeit ein Lächeln übrighaben und auch mal nen kessen Spruch. Zum Flirten bin ich ja dann doch schon zu alt. Und dann blökte ich rum und sagte, dass wir alle froh sein könnten dass sie hier so vorsichtig sind, denn wenn einer von denen krank wird und die Praxis geschlossen wird, ist das unser aller sicherer Tod, oder wir müssen dann vlt nach Stuttgart oder Heidelberg. Natürlich hat dann keiner gejubelt, aber zumindest haben sie mal nachgedacht und eigen sah man die steigende Angst in den Augen… Idioten gibts halt überall..

Fläschlein füll dich

Nun sitze ich hier seit ner guten Stunde, angestöpselt an Schläuchen, immerhin auf neuen bequemen Stühlen.. Ne Spritze bekam ich auch noch dazu weil die Chemie deftig aufn Magen schlagen wird, was ich beim letzten Mal heftigst zu spüren bekam. Natürlich zuhause, wo es sich dann manchmal wieder bestätigt, dass es nicht immer sinnvoll ist alleine zu leben. Ich sag ja die Nebenwirkungen kannst alle zuhause irgendwie meistern. An Essen ist diese Woche eh nicht zu denken.. Jetzt nach ner Stunde merke ich auch wo dieses Gift überall hinfliesst, die ersten zwei drei Minuten spürst auch noch die Kälte des Mixes wie er sich verbreitet. Inzwischen hab ich nen Geschmack im Mund, der nicht viel angenehmer ist als das scheussliche Valium. Und wieder bekomme ich die Pumpe für 48 Stunden mit nach Hause die ich mir um den Hals hängen kann.Also dauert diese Therapie bis zum Donnerstag. Inzwischen tränen die Augen, Fuss und Fingerspitzen bizzeln und riechen tut alles wie beim Zahnarzt. Und gerne erinnere ich mich an die kalten Fingerspitzen gestern beim Motorradfahren, was mit letzlich dann doch lieber war..

Und so bleibt auch jetzt die Frage, weshalb ich mir dass eigentlich antue? wobei mir es eher daran liegt, dass ich das alles eh lieber hinter mir hätte. denn ne Garantie meinen Geburtstag im Mai zu überleben die kann mir keiner geben, zumindest schon mal gar nicht in welchem Zustand. Heute vor sechs Jahren hatte ich meinen ersten Joint geraucht mit dem mir immer noch liebsten Person, da war mein Leben beinahe auf dem Höhepunkt. und heute eher auf dem Tiefpunkt auch weil diese Person gerade so weit weg ist und ich bin froh, dass sie es ist, denn sie tut das einzig wahre und richtige im Leben,- Sie geniesst es, ihr Leben und das drumherum und sie ist immer noch für mich da. Ich weiss jetzt nicht ob und wie lange ich diese Chemos noch mache. Sobald ich aber entdecke, dass ich es in Wirklichkeit nicht für mich, sondern eher für die Anderen, für Euch tue und mich in Wirklichkeit selbst belüge dann wird der Zeitpunkt kommen an dem ich sage, es reicht, dann wird es sicherlich auch ne wahre Entscheidung sein. Ein Ziel habe ich erreicht, sogar noch mehr als gedacht. Ich hatte ne wunderbare Zeit auf dem Motorrad, hab mehr Menschen getroffen als erwartet, ensolche Erlebnisse dazu. Für weitere Fahrereien fehlts mir nun auch so langsam am Geld und mit jeder Chemo auch mehr an Kraft und Energie und Willen. Denn so gesehen sinds ja auch Alltagsfluchten und Flucht vor Ängsten. Nicht Ängste vor dem Tod, sondern vor dem Sterben und dem wie und wann. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und das andere Ziel ist auch erreicht, jetzt sind die Gräber nicht mehr so kalt wie im Januar oder Februar🙂

Und kaum ein paar Stunden später merkt man die härteren Einschränkungen oder Begleiterscheinungen. Hunger macht sich breit, aber runter kriegt man nichts. Ich wollte ja ganz mutig, weil ich keine Lust auf diese ewige und nervige Taxi-Wartere hatte, dazu wieder stahlend blauer Himmel mit Sonnenschein war, den Weg nach Hause laufen, sind ca 2 KM und eigentlich nur bergab. Eine Stunde, vlt etwas mehr habe ich für den Weg eingeplant, den ich normaler weider in gut 20 Minuten laufe. Ich habe es keine 50 Meter aus der Praxis geschafft. Heute musste ich eh schon wieder über 3 Stunden am Tropf hängen und wie erwähnt ne Pumpe bekomme ich ja auch noch um den Hals für 2 Tage. Diese nervt mich seit der ersten Chemo vor 2 Jahren mit am Meisten, auch weil die Chemo damit sozusagen zwei Tage oder gar drei Tage dauert. Mach den 50 Metern wenss wirklich soweit war, habe ich zwangsweie ein Taxi gerufen und mich wieder auf den Weg zurück zum Eingang der Praxis gemacht, was anstrengender war als gedacht. Solange ich auf dem Stuhl gesessen habe und mich kaum bewegt habe, war das alles ok. Aber einmal aufgestanden dann dreht sich alles, nicht wirklich aus Schwindelgefühlen, sondern eher aus Überlastung.

So war ich dann heilfroh, dass das Taxi bald kam und ich in ein paar Minuten zu hause war. Auch dort war es heute deftig anstrengend in den dritten Stock u kommen. Dann meine Tasche ausgepackt, das wichtigste dabei nicht vergessen, die Antikotztabletten in Reichweite des Bettes zu lagern, denn es gab schon Momente wo ich in Armlänge Entfernung keine Chance hatte dran zu kommen ohne vorher schon zu kotzen. Und son Kotzkübel in Bettnähe kam noch nie für mich in Frage. Danach habe ich mich gleich ins Bett gelegt was zumindest beruhigend war, aber den TV anzuschalten war nicht. So lag ich wohl da für ein paar Stunden, geschlafen habe ich glaube ich nicht, jetzt ist es 17h und ich weiss nicht wo die Zeithin ist, aber Hauptsache rum. Und doch bemerke ich so langsam diese aufkommende Depression und auch ne Angst nicht rauszukommen wenn ich es möchte. Ich hoffe dass ich zumindest eingermassen schlafen kann. Da könnte es ein Vorteil sein dass ich ja letzte Nacht recht wenig geschlafen habe. Morgen früh bin ich höchstwahrscheinlich wieder oberdepressiv, eines der übelsten Begleiterscheinungen, da drehen sich dann die paar Gedanken nur darum, den Nachmittag irgendwie nicht mehr zu erleben. Der Weg zum Klo und dort dauert ne keine Ewigkeit und immer wieder dabei diese Scheiss Pumpe mit ihren regelmässigen „Einspritzungen“ die man mit etwas Erfahrungen genau spürt un deinem nicht selten auch nachts aus dem Schlaf holt, einfach weil man spürt dass da was nicht natürliches in deinen Körper kommt. Spätestens morgen abend bin ich nr sicher, dass es die letzte Chemo meines Lebens sein soll und ich abbrechen werde, bis irgendwas in dein Hirn dir einhämmert nee eine machste noch. Und mein weitsichtiger Plan ist, dass ich am Donnerstag nach der Abnahme der Pumpe weshalb ich natürlich wieder in die Praxis muss, dann zumindest es zu Fuss nach Hause schaffe und mit etwas Glück zumindest am Samstag wieder mal länger rauskann, wenn man es bis dahin überhaupt noch darf. Dieses Scheiss Corona nervt mich genauso und das auch da wieder irgendeiner über mein Leben entscheidet. Ich habe ne Behandlung bei ner Coronainfizierung in der Patientenverfügung ausdrücklich „verboten“ Dies ist auch in diesem Fall bindend. So gesehen fehlt mir einfach die Lust da weiter zu machen, denn bei mir schaut es einfach so aus, dass die Chemo bei mir bis zum Lebensende gehen. Die Chancen dass sie früher zum Erfolg führen sind äusserst gering. Ob das wirklich noch lebenswert ist?

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

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