noch ein paar Tage bis zur nächsten Chemo…

und schon fängt das Hirn wieder an zu rebellieren inklusive einiger Vitalfunktionen. Ich denke es sind einfach Urängste oder Urinstinkte die da aus dem hintersten Denkstüblein hervorgerufen werden, sobald man sich solchen für den Menschen unnatürlichen Situationen nähert. Ähnlich dem Prüfungsstress den ja manche auch kennen.

Interessanterweise kommt mir die letzte Chemo so lange zurückliegend vor, dabei war sie gerade mal vor knapp Wochen. Aber ich war viel unterwegs in diesen Tagen, hab vieles gesehen und erlebt, das macht diese Zeit wertvoll und streckt sich zumindest gefühlsmässig.

Und vorhin habe ich das Ergebnis dieser teilweisen Gewalttouren gesehn. Die Waage hat mir gezeigt dass ich die 4Kg die ich nach der Chemo verloren habe, seit heute wieder drauf habe🙂. Für mich ist das ganz wichtig. Denn es ist kein Geheimnis dass man durch den teilweisen sehr hohen Gewichtsverlust auf Dauer, sein Immunsystem schwächt und dadurch in den Teufelskreis der Chemo und den Tod gerät. Bei meiner letzten Chemotherapie vor gut 2 Jahren kam ich per Zufall auf diesen Hinweis. Denn zu dieser Zeit nahm ich Antidepressiva die den nützlichen Effekt haben an Gewicht zu zu nehmen, was im Normalfall selten erwünscht ist. Aber da war es hilfreich, da ich nach der sehr heftigen Chemowoche wieder guten Heisshunger hatte mit dem gleichen Ergebnis, dass ich in der gesamten Therapie mein Gewicht behalten habe und so recht gut durch die Therapie kam.

Dieses Mal war das Motorradfahren sehr positiv. Es ist anstrengend, gerade bei einer solchen Tour wie gestern über 600 KM an die Mosel mit hunderten von Kurven, da kriegt man an der frischen Luft Hunger und Appetit 🙂 Das ist nämlich noch ein Problem. Wenn man krank ist, fehlts nicht immer am Hunger, sondern am Appetit auf bestimmte Sachen. Das ist aber wichtig wenn man Kalorien braucht.. Ich kanns nur jedem Krebskranken in ner gleichen Situation empfehlen, geht raus, zwingt euch auch mal Grenzen zu überschreiten. Lasst euch von euren Partnern, die es sicherlich gut meinen, nicht zu sehr umsorgen und pflegen! Diese scheiss Krankheit verlangt von der Familie alles und mehr. Aber alle haben das gleiche Ziel, dass ihr überlebt. Ich weiss dass ich im Prinzip viel besser da stehe als viele von Euch, manche wünschten, dass sie annähernd auch so vital wären wie ich. Aber glaubt mirs und viele die mich kennen wissen, dass auch ich vor einiger Zeit echt am Boden war. Zu mir in den dritten Stock hat manchmal ne halbe Stunde gedauert und ohne fremde Hilfe gings auch nicht immer. Oft habe ich trotz besten Willens es gerade mal 500 Meter geschafft am Tag. Fotografieren was mein ein und alles war ging auch nicht, weil ich kein unverwackeltes Bild geschafft. Und während der Chemo, es war nicht nur körperlich zum Kotzen, Handschuhe bei 37°C, und Wärmflaschen. Ein täglicher Kampf. Und auch darum gehts mir in meinem Leben. Grosse Ziele die auch zu weit weg sind, sind mental kaum zu erreichen

Ich wünsche mir immer nur dass der nächste Tag besser wird als der heutige oder gestrige. Ich kann nicht planen was nächste Woche oder Monat sein wird. Das macht mich kaputt und kirre und letztendlich auch traurig. Natürlich sind da Wünsche, aber ich werde nichts tun was mich unter Druck setzt. Ich weiss dass meine Uhr tickt und gerade heute haben sich die Schmerzen in gefühlter doppelten Intensität zurückgemeldet. Auch wenn sie direkt nach der Chemo beinahe verschwunden waren, ist es mir jetzt wieder bewusst geworden, dass diese Scheiss Tumore stetig weiterwachsen. Und eben klar gemacht wenn diese Chemo nicht anschlägt, werden die nächsten 5-6 Monate entscheiden über das sprichwörtliche Leben oder Tod. Nur mit dem nicht daran zu denken, habe ich ne reele Chance den heutigen und morgigen Tag doch irgendwie positiv zu erleben.

Für mich tuts das etwa mit den Bildern zu bearbeiten, von gestern und vorgestern. Denn jedes Bild bringt auch gute Erinnerungen und hin und wieder mal ein Schmunzeln. Also auch ein Hobby kann jedem Kranken helfen sich ab zu lenken. Aber ich möchte mich auch bei vielen bedanken, die mich finanziell und mental unterstützt haben, teilweise mit unbeschreiblichen und unerwarteten Dingen und Tun!! Und natürlich teile ich meine positiven Erlebnisse gerne mit Euch. 🙂 Doch leider lass ich euch auch an den schlechten Dingen teilnehmen, was wiederrum auch mir gut tut. Also auch dafür ein Danke!! Und nun bleibt mir nichts anderes übrig Euch etwas ähnliches zu wünschen,- bleibt gesund! Und seit euch bewusst, dass das der bessere Weg ist, als gesund zu werden, da es leider manchmal zu spät ist…….

Veröffentlicht von Thomas W.

Ein Tagebuch: um den Kampf meines Lebens? Von der Diagnose Darmkrebs, mit erfolgreicher OP & Chemo, anschließendem fast ein Jahr nicht entdeckten Rezidiv, nun mit nicht operablen Rezidiv im Becken, ist diese Chemo nun der letzte Versuch, mein Leben zumindest etwas zu verlängern

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: